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Exfreundekabinett

Vor ein paar Wochen plötzlich ein Photo von Karmi auf FB. Er sieht gut aus, grinst strahlend in die Kamera - zum Glück mit zwei Kollegen, nicht seiner Neuen. Er sieht auf Bildern selten so aus, meistens zieht er eine Fratze. Ein kurzer Schlag ins Gesicht und die Erinnerung, wie es war mit ihm zusammen zu sein. Ich mochte die Stabilität, die Ruhe, das Gefühl, nun erwachsen werden zu können.

Ich hab vor kurzem angefangen, Photos an der Wand und auf meinem Schrank aufzukleben. Loca, Maya, Luke, Nom, der Wolf und zwei (beim Aufräumen und Bücher neu in das Regal sortieren gefundene) von Row. Es sollen noch mehr Bilder werden, ich muss allerdings erst noch auswählen und ausdrucken.
Von meinem Bett aus habe ich eine gute Sicht auf den Schrank und anfangs bin ich dann an Row hängen geblieben, an Photos von ihm, die noch vor unserer ersten Begegnung entstanden sind. Er fehlt mir. Ich war so vernarrt in ihn. Der beste Ratgeber, fast wie ein Blindenhund, der Menschen allein anhand meiner Beschreibung einschätzen und manchmal erklären konnte. Selbst sehe ich so wenig und lese das meiste nur von den Lippen ab. Ich mochte den klaren, durchdringenden Blick von ihm und die sprechenden Augen, auch wenn ich ihn nicht immer verstand. Er sieht mich, und selten kann ich etwas vor ihm verbergen. Er fühlte sich so vertraut an, so ebenbürtig, wie aus dem selben Holz eines Baumes.

Heute dann wieder auf FB, diesmal Tim, mein erster. Er grinst seitlich aus der Kamera. Er trägt eine Brille, von der ich nicht mal weiß, ob es seine ist, oder ob er sie zum Spaß aufgesetzt hat (Lippendeutung: letzteres). Weißt Du noch, frage ich mich, wie Du damals dachtest, ihr würdet irgendwann wieder zusammen kommen? (Wie es wohl wäre?) Wir haben viel zu wenig Kontakt, und wieder: Er fehlt mir.

Jetzt gehe ich also alle meine Exe mal durch und vermisse einen nach dem anderen... was für ein Gefühlszirkus. Erst dachte ich, "ach Du spinnst doch". Dann fühlte ich mich plötzlich alt, mit soviel Geschichte und Erinnerungen.

Es ist vielleicht eine seltsame Form von Heimweh. Womöglich gar nicht nach den Menschen selbst (da es sie, wie sie in meiner Erinnerung existieren, gar nicht mehr gibt), vielleicht eher nach einer vergangenen Zeit, oder nach einem Teil von mir selbst oder nach einem inneren Gefühl.
12.1.12 23:33


Wahrscheinlich liegt es ganz banal am Wetter. Ich jammer herum wie so ein altes Klatschweib über seine schmerzenden Gelenke. Ist doch seit Jahren das selbe. Geht wieder vorbei. Sommer kommt bald.
10.1.12 23:12


Innere Balance

Ich weiß nicht, ob ich mir das nur einrede. Aber fühle mich unruhig, wie seit Jahren nicht mehr. Um genauer zu sein: wie seit vor Cami nicht mehr. Mit ihm (oder besser: von ihm?) kam eine innere Ausgeglichenheit, nach der ich lange gesucht hatte. Aber ich kann doch nicht immer spiegeln, ich muss meine eigene Balance finden. Oder?

Ich fühle mich seit Wochen leer, traurig, verloren, haltlos und möchte mich am Liebsten in meinem Bettkasten verstecken und nie wieder herauskommen. Ich mag nicht mehr. Ich mag mich nicht. Was soll aus mir werden?

Ich finde kein passendes Praktikum, nicht für März, nicht für nur 6 Wochen. Aber ich muss, wenn ich aus einer vorläufigen Zulassung zum Master eine Zulassung machen möchte. Wie ich mich immer wieder in Situationen bringe, die nahe am Abgrund sind.

Samstag lag ich abends im Bett und stellte mir vor, tot zu sein. Keine Verantwortung mehr, Für einen kurzen Augenblick, wie mein Arm das Bett runterhängt und... dann wurde es mir zu melodramatisch. Ich dachte lieber pragmatisch. Wer bekommt die Katzen? Sollte ich vorher im Internet aufräumen, meine Passwörter aufschreiben, eine Liste der zu benachrichtigenden Personen erstellen? Wie sollte denn z.B. Fireheart jemals erfahren, dass ich weg bin? Und Abschiedsbriefe und... nein, zuviel Aufwand. Ich dachte an den Film Into the wild, wie kompromisslos und aufgeräumt der Protagonist alles hinter sich ließ. Ich könnte das nicht.

Außerdem: Was für ein bescheuerter Gedanke, ich bin doch kein kleiner Emo mehr. Und viel zu neugierig. Manchmal lese ich sogar den Schluss, bevor ich ein Buch kaufe.

Ich will wissen, dass alles gut wird.

Karmi fehlt mir. Als Stein, als Gewissheit, als Hafen, als Tau, der mich hält. Als ich mit ihm zusammen war, fühlte ich mich so sicher, weil ich wenigstens eine Konstante hatte, ein dickes Netz, egal wo ich hinfliege.
Ich rufe mir immer wieder in Gedanken, warum es besser so ist, warum Luke die richtige Entscheidung war. Aber manchmal, da fällt es mir schwer.

Ich bin glücklicher. Und trauriger. Näher. Und einsamer.

Mehr Bandbreite, mehr Extreme, mehr Leben. Das war es doch, was ich wollte, oder?
10.1.12 22:36


Schreck

Myblog war jetzt über einen längeren Zeitraum nicht erreichbar. Hier gehts zur Übergangsalternative, falls Myblog in seinen letzten Atemzügen liegen sollte.
8.1.12 17:48


Schreck

Myblog war jetzt über einen längeren Zeitraum nicht erreichbar. Hier gehts zur Übergangsalternative, falls Myblog in seinen letzten Atemzügen liegen sollte.
8.1.12 17:47


Weihnachten 2011

Zu Weihnachten hatte ich eine Bekannte von mir, Jana, zu Besuch (mit ihr war ich letztes Jahr auch am Atlantik, wir lernten uns 2008 im Zug kennen - ein paar Monate bevor die Bitch in mein und Rows Leben trat). Sie ist ein ständig reflektierender Mensch, jede Entwicklung, jede Handlung muss interpretiert und kommentiert werden.

Als sie mitbekam, dass ich hier alleine Weihnachten feiern wollte, beschloss sie, mich zu besuchen. Mir fiel es schwer, nein zu sagen. Ich habe eine Weihnachtsphobie und wollte nicht, dass sie mir "mein" Weihnachten kaputt macht. Aber sie klang so begeistert von der Idee...

Heiligabend hatte ich mich von 15-17Uhr verpflichtet, in meinem Ehrenamt zu arbeiten. Jana kam kurz vorher mit ihrem Auto an und schloss sich an. Wir tranken Tee, quatschten, aßen Plätzchen und Stollen und später sangen wir und spielten Gitarre. Insgesamt eine schöne Sache für Menschen, die sonst keinen an Weihnachten haben.

Als wir die Räumlichkeiten verließen, beklagte sich Jana über einen der Besucher, der ihr "zu nah" gekommen sei (ich saß zwischen ihnen) und dass das ja grade eines ihrer Lebensthemen sei und diese Woche erst sei sie im Thermalbad einem nackten Mann im Flur begegnet. Fummpp. Ich nickte nur und ließ es über mich ergehen. Jener Besucher war mir auch etwas unangenehm gewesen, aber ich hatte es längst hinter mir gelassen, los gelassen.

Meine persönliche Idealvorstellung von Weihnachten: Ganz viel Essen, spielen, albern sein, Weihnachtsfilme gucken, Musik.

Daheim machte ich dann Forelle, mit Feta gefüllte Paprika und Möhrenstreifen. Ich zeigte ihr, wie man Fisch isst und sie freute sich riesig, weil sie lernen liebt. Im Anschluss schauten wir die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Superschöner alter Film, den ich lange lange nicht mehr gesehen hatte. Nach dem Film wollte ich mich gerührt zurück lehnen, noch voller Bewunderung für Bob, als Jana anfing, herumzuinterpretieren, es auf ihr eigenes Leben zu beziehen, mir die ganze Geschichte und irgendwie auch den Heiligabend versaute. Sie packte ihren ganzen (mir bereits bekannten) Seelenmüll aus, erschlug mich damit und fing an zu weinen. Am Liebsten hätte ich einfach den Raum verlassen. Stattdessen blieb ich ruhig, legte ihr meine Hand auf den Arm und streichelte ihn, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Mein Krisen-Autopilot schaltete sich ein und am Ende hatte sie sich wieder soweit beruhigt.

Wir setzten uns in die Küche und sie sagte mir, wie toll ich zuhören würde und dass man sich mir so superduperyay öffnen könnte. (Aber warum fragt mich eigentlich niemand, ob ich das überhaupt will?) Außerdem sei ich so toll direkt und nicht wie ihre Mutter, der man alles zwischen den Zeilen lesen muss. Ich nutzte die Chance, um ihr sanft mitzuteilen, dass ich die letzten 1-2 Stunden vor dem Schlafen gehen gerne was schönes machen würde. Ohne Tiefsinnigkeit, einfach irgendwas lustiges, vielleicht was spielen?
Sie bedankte sich, dass ich ihr Grenzen setzte und ich fühlte mich falsch und verlogen.

Sie lernt grade, ihre Wünsche zu äußern und kann darin sehr kindlich penetrant sein. Als wir gemeinsam die Altstadt erkundeten, wollte sie sich irgendwo hineinsetzen. Die Cafés haben allerdings alle geschlossen und wir müssten eine Gaststätte wählen. "Zuhause haben wir Unmengen an Essen", erinnere ich sie. "Nur einen Kaffee?", fragt sie, "magst Du auch einen?". "Ich kann keinen auf nüchternen Magen trinken." "Muss ich jetzt also auf meine Bedürfnisse verzichten, weil Du keinen Kaffee möchtest?" Ich dachte irgendwann nur noch, a leg mi do am oarsch, und legte meine eigene Meinung schlafen, nickte zu allem. Sie ist der Gast, ich bin die Ruhe selbst. Hauptsache sie ist zufrieden und abgelenkt und heult nicht wieder rum. Es überrascht mich, wie gut ich darin geworden bin. Früher musste alles nach meinem Kopf und Willen gehen.

Sie ist Anfang, wenn nicht sogar inzwischen schon Mitte 30, was man ihr keinesfalls ansieht. Sie hat eine jungenhafte, zierliche Gestalt und seit einigen Jahren auch eine Bubi-Frisur. Außerdem hat sie diverse "Dachschäden", die sie auf ihre Kindheit (also externe Faktoren) schiebt. Ständig beschuldigt sie ihre Mutter hier und da und ständig redet sie von ihren "inneren Anteilen", die sie zusammen mit ihrem Gestalttherapeuten entdeckt, die mir die Lust an dieser Therapieform verleiden, weil sie gar nicht mehr von SICH SELBST spricht und sich auch andauernd in diesem Reflexionsmodus befindet.

Ich bin nicht so. Nicht mehr, falls ich jemals so war. Ich kann den Moment genießen, ich kann negative Momente einfach Momente sein lassen und dann vergessen. Ich kann albern und lustig sein, mein Leben genießen, die Menschen um mich wertschätzen, ohne ständig jede Handlung von ihnen zu interpretieren und kommentieren. Ich bin viel mehr in mir, nicht mehr von außen auf mich blickend.

Und, oh my, was ich dieses Weihnachten geschenkt bekommen habe: Ich bin gesund. Körperlich, im Kopf, in meinen Gedanken, in meinen Gefühlen. Ich bin ganz. Scheiß auf meine Dreckskindheit, meine distanzierte Haltung zu meinem Dad, meine verrückte Mum, ich bin ganz. Ich habe mich selbst geflickt, i am my own hero. Mein Dank gilt den tollen Menschen, die mir Nadel, Faden und Kleber reichten und den Erfahrungen, die mich nähen und kleben lehrten.

Früher wollte ich immer in die Höhe wachsen, immer mehr aufeinanderstapeln, sammeln, mich recken und strecken und den Himmel berühren. Jetzt sammle ich mich, atme tief durch und wachse in die Breite, in die Fülle des Lebens.
27.12.11 14:12


Lass deine Ketten und Erwartungen zuhause, genieß die Zeit mit mir, aber sieh mich nicht als deinen Besitz. Ich bin ohne Heimat, streife ruhelos umher, trete ein in viele Häuser - und verlasse sie wieder, wenn die Unruhe mich packt.

Es ist weniger wahr als damals, was da über mich steht. Ich habe Heimaten gefunden, bin nicht mehr ganz so ruhelos und stürme seltener fremde Häuser. Ich war auf der Suche und werde es wohl in gewisser Weise mein Leben lang bleiben. Aber ich habe auch gefunden, wurde gefunden, habe einen Ort in mir selbst entdeckt, an dem ich ruhen kann.

Ich habe mich auf viele Menschen eingelassen, die nicht zu mir passten, die nicht dauerhaft in mein Leben passten und denen ich dennoch meine Aufmerksamkeit schenkte. Die ich einlud, sich neben mich zu setzen, kurz zu verschnaufen, erkannt zu werden. Ich habe gegeben, was ich konnte, manchmal weniger und manchmal sogar mehr. Im Gegensatz zu anderen Menschen bin ich nicht blind an ihnen vorbeigegangen. Ich werfe mir nicht mehr vor, Menschen hinter mir zu lassen.

"...So never refuse an invitation, never resist the unfamiliar, never fail to be polite and never outstay the welcome. Just keep your mind open and suck in the experience. And if it hurts, you know what? It's probably worth it." - The Beach
27.12.11 13:54


Sturmfrei

Alle Mitbewohner sind inzwischen ausgeflogen, alles ist still. Nur noch ich und die beiden Rabauken. Erst war es gruselig und viel zu still.
Langsam aber fange ich an zu atmen, traue mich immer tiefer Luft zu holen, der Druck um die Brust lässt nach. Ich kann wieder ich sein, ich kann laut mit meinen Katzen plaudern, das Treppenhaus hoch und runter tanzen, ich kann in meinem Zimmer sitzen und mit geöffneter Tür Musik hören oder mich bei einem Film lautstark bekringeln - mitten in der Nacht. Ich ergreife Besitz vom Haus. Wäre ich eine Katze, würde ich an jedem Schrank und Stuhlbein meinen Kopf reiben. Ich putze, räume auf, sortiere mein Bücherregal neu, schmücke weihnachtlich. Packe das Päckchen von Loca und Maya aus und räume für den Inhalt mein Tischchen leer. Das Foto von den beiden löst bei jedem Anblick ein mit-lachen-müssen aus und ich könnte Loca knutschen für die kleinen Dinge, die sie noch beigelegt hat. Ich hab so tolle Menschen in meinem Leben und ich hab grade das Bedürfnis, irgendwem dafür aus Dankbarkeit zu Füßen zu liegen. Hinkringeln und schnurren. (Da! Schon wieder! Noch ein paar Tage mit den Katzen alleine und ich mutiere selbst zu einer.)

Ich fange zum ersten Mal an, mich hier heimisch zu fühlen.
24.12.11 03:08


Nimmst Du jemanden, wie er ist, wird er bleiben, wie er ist,
aber gehst Du mit ihm um, als ob er wäre, was er sein könnte,
wird er zu dem werden, was er sein könnte."
-Johann Wolfgang von Goethe
17.12.11 00:32


Angsthase

Vor fast genau einem Jahr bekam ich hier einen anonymen Gästebucheintrag von "Angsthase", der mich ziemlich beschäftigte und den ich dann gedanklich beiseite legte, weil mir damals soviel anderes um die Ohren schlug.

Liebe Kommentatorin, ich würde Dir gerne antworten. Liest Du noch mit?

Manchmal komme ich mit einigen Einstellungen von dir nicht so gut klar, weil mir manchmal die Menschen leid tun, die auf dich treffen. weil ich das Gefühl habe, dass du meistens nur bei dir bleibst. Dass du anderen gibst, was du geben kannst, aber eben nur, wenn du das Gefühl hast, du kannst mit ihnen wachsen. Dass du eben nur dieser wundervolle Mensch für einen bist, wenn du Lust dazu hast oder wenn du selbst einen Vorteil darausziehst.
Ich hatte nach Deinem Kommentar damals einige intensive Gespräche mit Luke und mit Loca. Zunächst sehr verunsichert (bin ich wirklich so?), gerade auch, weil Du einen wunden Punkt getroffen hattest. "Benutze" ich Menschen? Ich vermute, meinem Verhalten von früher könnte man das vielleicht zuschreiben.
Rückblickend kann ich allerdings als eine der wenigen Menschen behaupten, mit all meinen Ex-Freunden/Affären "im Guten" auseinander gegangen zu sein und selbst heute zu den meisten einen freundschaftlichen Draht zu haben.

Es fällt mir schwer, eine dauerhafte Verbindung anderen Menschen aufzunehmen. Selten treffe ich auf jemanden, der meinen "Ansprüchen" (Loyalität, Reflektiertheit, Akzeptanz) bzw. Vorstellungen einer Freundschaft entspricht. Wenn eine solche emotionale Verbindung entsteht, hält sie ewig. Und es ist noch nicht mal ein Willensakt á là "Du entsprichst meinen Vorstellungen, Dich nehm ich", eher wie ein unkontrollierbares Verlieben. Would you blame me for that?
Bei Loca zum Beispiel ist es passiert, ohne dass ich es gemerkt habe, wir stellten erst nach 2 Jahren fest, dass wir irgendwie richtig gute Freundinnen geworden waren (ohne dass wir uns wirklich erinnern können, wie es dazu kam).

Es ist leichter, nicht an andere gebunden zu sein. Es macht es leichter, Abschied zu nehmen. Man kann Verletzungen besser ertragen, eher mit der Schulter zucken. Und ich bin schnell und sehr leicht verletzbar. Da wählt man besser gut aus, wem man die Waffen dazu gibt.
Ich finde mich meist in einer offenen Haltung wieder, herzlich, interessiert, aber innerlich unnahbar, distanziert. Wie ein Alien, das in einen Menschenkörper geschlüpft ist und sich insgeheim über die Gemeinsamkeiten und Vielfältigkeiten der Menschen amüsiert, aber selbst nicht davon betroffen ist, nur (neugieriger) Beobachter ist. Das macht es mir leicht, auch "verrückten" oder ungewöhnlichen Menschen Gelegenheit zu geben, mit mir in Kontakt zu treten.
Ich glaube, die Menschen die es schaffen zu mir durchzudringen sind die, die mir dieses Alien-Gefühl nehmen. In deren Anwesenheit ich wirklich da, wirklich authentisch sein kann. Meistens fängt das langsam an, hier eine spinnerte Idee, da ein paar dumme Sätze, die sich aus meinem Mund schleichen, dort ein paar Grimassen, und wenn ich merke, mein Gegenüber nimmt mich trotzdem ernst, mag mich trotzdem, dann verringere ich die Distanz langsam. Ich bin innerlich sehr scheu, unsicher und unglaublich albern.



Du sagst, es werden immer Menschen da sein, wenn du sie brauchst (sie kommen & gehen, wie du sie brauchst).
Das ist ein Mantra, das ich immer wieder in meinem Kopf aufsage. Weil es eben auch schon Zeiten (meine ganze Kindheit bis ca. 16) gab, in denen ich (gefühlt) völlig alleine war.
Es ist meine Weltsicht, dass die Menschen kommen, wenn wir sie "brauchen". Das selbe gilt aber auch für Probleme und Schwierigkeiten. (Ja, ich weiß, dass man darüber streiten kann.) Man nehme zum Beispiel meine katzenhaarallergische Mitbewohnerin. Obwohl es richtig übel eskaliert ist, habe ich es wieder "hingekriegt", habe zähneknirschend (aber einsichtig) Kompromisse geschlossen zurückgesteckt, bin Konflikten entgegen getreten, habe mich gestellt, mich auseinander gesetzt, mich entschuldigt. All das, was mir wirklich nicht leicht fällt. Sie hat auch noch am gleichen Tag wie ich Geburtstag und ist genauso patzig und aufbrausend wie ich. Das ist ja das schwerste: Dinge an anderen Menschen akzeptieren lernen, die man an sich selbst nicht ausstehen kann.
Inzwischen haben wir einen recht herzlichen Umgang und bringen uns gegenseitig Marzipaneis aus dem Aldi mit: Lektion gelernt und bestanden.
Menschen "brauchen" ist daher ein dehnbarer Begriff.

Ich bin dankbar, dass es inzwischen (hoffentlich) bei den Herzmenschen kein Kommen und Gehen mehr gibt. Auch wenn ich mich zur Zeit oft alleine fühle gibt es mir Halt, Menschen wie Fireheart, Row, den Wolf, Loca und Luke in meinem Leben zu wissen. Selbst wenn der Kontakt mal nicht eng sein sollte.

Möchtest du nur ein Mensch sein, der wächst? der der klügste und reifste Mensch ist, aber der findet, dass jemand anderes vielleicht langweiligeres, an dem man nicht lernen kann, seine Aufmerksamkeit nicht Wert ist? Der sich nicht auch mit ganzen Herzen um Menschen kümmern kann für diese Menschen selbst, einfach weil man es kann, statt für sich selbst um zu wachsen und zu lernen und zu fühlen? Ich vermisse, dass du auch mal an jemand anderen denkst als an dich selbst. Du kreist immer wieder um die Frage, wer bin ich, wie veränder ich mich, was erlebe ich, was berührt mich, wie fühle ich mich. Alles andere scheint bei dir kommen und gehen zu sein.
Ja, ich kreise immer wieder um mich. Das hier ist mein Tagebuchersatz, mein Ort der Reflexion, hier möchte ich mich festhalten. Klar stehen hier eher die aufregenderen Begegnungen, die spannenderen Gespräche, die interessanteren Menschen. Das bedeutet aber nicht, dass es die anderen nicht auch gibt.
Hab ich hier schon geschrieben, dass ich ehrenamtlich in der Betreuungsstätte des hiesigen sozial-psychatrischen Dienstes arbeite? Wir spielen jeden Mittwochmorgen Rommé oder Rummikub, trinken Kaffee, schweigen, smalltalken und manchmal darf ich mit ins Lesefrühstück zur Hauptehrenamtlichen, da lesen wir einen Text vor und diskutieren ihn. Die Besucher sind meistens über 40, haben Depressionen oder andere psychische Störungen und kaum ein eigenes soziales Umfeld und erzählen auch nicht wie ein Märchenbuch von ihrem Leben. Ich mach es gerne, weil ich helfen möchte und wenn es nur in Form von Gesellschaft geben ist.

Ein jeder ist beeindruckt von dir und deiner Art, ich selbst ja auch, aber ich glaube es gibt daher kaum Menschen, die dich auch so ehrlich kritisieren. Ich glaube du brauchst jemanden, der auch das kann, der dich schleift, statt dich schont.
Ich glaube du umgibst dich daher mit Menschen, die dich einfach so nehmen wie du bist. Klar ist das ein schönes Gefühl, aber man braucht mehr als nur gestärkt werden. Man braucht auch mal Menschen, die einem sagen auf welchem Weg man ist & was einem so auf dem Weg noch so erwarten wird & wen man zurücklässt, etc.

Natürlich umgebe ich mich mit Menschen, die mich nehmen, wie ich bin und die mir Rückhalt bieten. (Aber inwiefern ist das gleichbedeutend damit, dass sie mir nur Honig ums Maul schmieren und mit ihrer ehrlichen Meinung hinterm Berg halten?) Wenn es nötig ist, bekomme ich einen Spiegel vorgehalten. Viel häufiger sehe ich mich allerdings selbst so fürchterlich selbstkritisch, dass es eher notwendig ist, mir den Spiegel zu entreißen und mich zurück ins Leben zu schubbsen.
16.12.11 23:48


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