Traum-mann
Ich träume seit Monaten immer wieder von Karmi. Mal lande ich in einer Realität, in der ich immer noch mit ihm zusammen bin und beim Sex feststelle, dass irgendwas komisch ist. Und mir plötzlich einfällt, dass wir gar nicht mehr zusammen sind, dass das hier nicht real ist, dass ich woanders hingehöre.
Und oft begegnen wir uns einfach so. Ich habe seine Neue kennen gelernt, wir haben uns viel unterhalten, bestimmt habe ich auch mal geweint. Manchmal erzählen wir uns, dass wir uns immer noch verbunden fühlen. So als ob wir tief innen immer noch zusammen wären, nur eben grade unterschiedliche Dinge lernen müssen - oder das gleiche, nur eben nicht voneinander.
Es ist ein merkwürdiges Vermissen. Weder körperlich, noch als Freund. Ich vermisse ihn als "meinen Mann". Und in irgendeiner unbewussten Traumrealität ist er es noch.
[Bis auf an meinem/seinem Geburtstag jeweils ein Telefonat besteht kein Kontakt. Ich weiß nur, dass er glücklich ist und freue mich für ihn.]
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Ich weiß, dass ich vor einem Jahr die richtige Entscheidung getroffen habe.
Dennoch. Rückblickend waren die 2 Jahre mit ihm meine ruhigsten, ausgeglichensten, stabilsten. Er hatte mir gegeben, was ich von niemandem anderem annehmen (oder glauben) wollte/will: Eine Zukunft. Er hat ihr einen Teil ihrer Ungewissheit genommen, sie weniger beängstigend wirken lassen und mich damit ein bisschen aus meiner Angststarre gerissen.
Jetzt bin ich wieder alleine für mich selbst verantwortlich und stecke seit Monaten meinen Kopf in den Sand.
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Frühjahrstagung
Letztes Jahr führten wir unser Theaterstück auf, dieses Jahr der neue Winterkurs. Eine herrliche Komödie, viel gelacht. Ich liebe Theater. Zuvor hatten wir uns zu fünft in unser Doppelbett gekuschelt und erstmals die Videoaufnahmen von uns damals angesehen.
Mein altes Zimmer besichtigt, durch die vertrauten Flure spaziert, den Sumpf, in den Luke reingefallen war besucht, gefeiert. Und immer wieder Luke angesehen und ihn nicht fassen können. Ein Jahr ist das jetzt schon her. Auf dem Weg vom Bauernhaus zurück zum Haupthaus von Luke huckepack genommen worden und er rannte, wie damals, um jede Laterne und jeden Baum.
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Luke zu Besuch
Er war gerade erst angekommen, da zog ich ihn auf die Couch und bat ihn, mal kurz meinen beste-Freundin-Ersatz zu spielen. Weil Loca nicht greifbar war und mir was heiß auf der Zunge brannte. Er lachte und hörte zu, obwohl er gerade mal wieder vier Stunden Autofahrt hinter sich hatte, um zu mir zu kommen. Luke ist toll.
Ich habe noch nie mit jemandem so viel gespielt, gelacht und herumgealbert. Heute machten wir uns gegenseitig ne Schnitzeljagd und versteckten Zettelchen mit Rätseln in der Wohnung. Als er meinen Hinweisen nachging, musste ich mir vor lauter Ungeduld mit der Hand den Mund halten, um nicht herauszuplatzen und ich hibbelte wie ein kleines Kind kurz vor den Weihnachtsgeschenken.
An unserem Tag in Nürnberg besuchten wir den Turm der Sinne und er las alles ganz genau, jede Infotafel, nutzte jede Station zum selbst-probieren. Ich liebe das an ihm und kann es manchmal nicht ausstehen, diese Neugier, dieses vollständige Interesse für etwas. Wenn er etwas wissen oder verstehen möchte, dann macht er keine halben Sachen. Dann bohrt er so lange, fragt so lange, bis er es versteht.
Manchmal durchschaut er mich zu gut und ertappt mich beim unbewusst manipulativen Verhalten. Ich selbst bin dann so beschämt und erschrocken, dass ich meinen Kopf mit weiteren Kniffen wieder aus der Schlinge ziehe und alles abstreite. Ich schwanke zwischen “so will ich gar nicht sein” und “warum hat das nicht funktioniert?”, zwischen Wut auf mich selbst und Wut auf ihn. Alles muss immer nach meinem Kopf gehen. Genau so wie ich es mir vorstelle. So wie die Dinge in meinem Zimmer einen bestimmten Platz und eine bestimmte Position besitzen. Und ich seine Schnitzeljagd für mich beim Suchen kaputt machte, weil ich ohne nachzudenken nebenbei alles wieder an seinen Platz rückte und die Pflanzen goß, während ich über dem Rätsel grübelte. Leider war die Kanne ebenfalls Teil der Jagd.
“Weißt Du, im Großen und Ganzen bist Du ziemlich nachvollziehbar und durchschaubar, aber im Kleinen überrascht Du einen immer wieder aufs Neue. Langweilig wird es mir mit Dir jedenfalls nicht.”
Wir waren im Kino, “Hugo Cabret”. Wir haben auch “Ziemlich beste Freunde” und ”Extremely Loud and Incredibly Close” gesehen. Zu letzterem habe ich nach langer Zeit das Buch mal wieder hervorgekramt und zärtlich über die Seiten gestrichen. Die Geschichte des Untermieters der Oma kam im Film zu kurz und ich las Luke seine Briefe aus dem Buch vor, auf Englisch.
Zwischendurch immer mal wieder WG-Casting-Kandidaten zu Gast. Lauter unterschiedliche Charaktere, Geschichten, interessante Hobbys. Gestern Abend endlich eine Entscheidung getroffen, heute morgen die Mail vom Vermieter: Sein Sohn wird einziehen. 19, Ersti, Schnarchnase. Das Gegenteil von dem, was ich mir gewünscht hatte. Schlechte Laune, bis ich mich zusammen riss, weil Luke sie abbekam. Wir hatten gefrühstückt und lagen wieder im Bett.
“Ok, ab jetzt ist Luke-Tag.” “Ja? Dann bestimme ich, dass Du zuerst aufstehst und duschen gehst!” “Neiiiin, das hatten wir vorher schon abgemacht, Du gehst zuerst! Weißt Du was, es ist Waldelfe-Tag und ich bestimme, dass Luke-Tag ist. Mit der Auflage, dass Du zuerst duschen gehst. Ha!” “Fies!”
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ADS
Ich war am Donnerstag bei einem Psychiater für Erwachsenen-ADS in Nürnberg. Den Termin bekam ich überraschend schnell (2 Wochen), mit dem Hinweis, ihn zwei Tage vorher nochmal zu bestätigen. Anderthalb Wochen dachte ich daran, dann kam am Sonntag Luke und ich vergaß es. In der Nacht davor schrieb ich der Praxis eine Mail, ob ich trotzdem kommen könnte, die morgens mit einem nachdrücklichen JA beantwortet wurde. Das war doch bestimmt nur ein Test, witzelte ich, aber das Lachen blieb mir im Hals stecken.
“Ich biete keine Psychotherapie an. Was möchten Sie also von mir, Frau Waldelfe?” “Ich weiß nicht. Zeigen Sie mir, wie es weiter geht. Ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll. Wo fang ich an?”
Dabei könne er helfen, das würden wir hinkriegen, dabei würde er mich begleiten.
Überweisung zum Allgemeinarzt bekommen, Schilddrüse abchecken. Überweisung zum Neurologen um sonstwas anderes auszuschließen. Außerdem solle ich jetzt beginnen, mir einen Verhaltenstherapeuten zu suchen. “Den Richtigen zu finden”, meinte er, “braucht seine Zeit.” Und in drei Wochen der nächste Termin, weitere Tests “um die Diagnose zu aktualisieren”. Ist ja auch schon 1,5 Jahre alt.
Tjahaha. Jetzt muss ich nur noch telefonisch Termine mit weiteren Ärzten ausmachen. Wie gut, dass ich das so gut kann. Nicht.
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Das Schlimmste an dem ADS-Dings-Scheiß ist der Kommentar “dann reiß Dich doch einfach mal zusammen!”. Oder “das kenne ich auch, dann mache ich x oder y und dann geht es. Du musst es nur wollen.”
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aus dem gedächtnis skizziert
Ich: "Manchmal habe ich das Gefühl, mein emotionales Gedächtnis ist besser als das anderer." Row: "Wer sagt eigentlich, dass Du die einzige bist, bei der Gefühle zurückbleiben?" Ich: "Ich." Row: "Und wenn die anderen einfach nur besser damit klar kommen, bzw. besser ihren Frieden damit schließen können?" Ich: "Aber dann scheint ja nicht besonders viel übrig geblieben zu sein. Oder?" Row: "Hat es mit der Menge an Gefühlen zu tun, wie gut jemand mit ihnen umgehen / sie akzeptieren kann?"
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26
Anrufe von J., der mich seit unserem Techtmechtel vor 10 Jahren jedes Jahr anruft, auch wenn wir sonst keinen Kontakt halten. Von Kami, der nichts dagegen hätte, wenn ich Luke mitbringen würde, wenn der Wolf, dessen Freundin und ich ihn und seine neue Freundin im Sommer besuchen kommen. Von Row, natürlich. Von Nom und seiner Freundin, von Loca, meinen Eltern. Und liebe Nachrichten von anderen tollen Menschen (die es zum Glück meist unterlassen haben, mich um die Uhrzeit anzurufen, zu der sie geschrieben haben).
Ich hätte total Lust, 10-15 Jahre zurück zu reisen und mein Ich zu treffen. Einfach nur, um mich zu beruhigen. Weil alles gut wird. (Vielleicht werde ich ja doch langsam erwachsen.)
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Wahrscheinlich Geburtstagsblues, morgen ist es mal wieder so weit...
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Emobahn
Samstag betrunken worden und mit den beiden Mädels noch in die Disco. Kara hat mal wieder ihren berüchtigten "polnischen Abgang" gemacht und sich in Luft aufgelöst... und ich habe später zum Glück auch gut nach Hause gefunden, auch wenn mir der Fahrradweg irgendwie schmaler als sonst vorkam. Irgendwann, noch recht am Anfang des Abends hatte ich für Kara die Story mit Row umrissen, aber nur kurz.
Am nächsten Morgen fiel mir panisch ein, dass ich in irgendeinem Moment in der Disco daran dachte, Row zu schreiben. Ich erinnere mich sogar noch daran, dass ich es im Kopf bereits ausformuliert hatte und schaute überall nach (sms, whatsapp, mail?), aber ich hatte es dann wohl doch vergessen. Aber der Gedanke kneifte mich schon seit Wochen, ach was, Monate. Ansprechen, nicht ansprechen? Wieder weit von mir schieben?
"Puh. Hab mich grade daran erinnert, dass ich Dir gestern betrunken schreiben wollte. Hab es wohl doch nicht gemacht, wie praktisch :D" "Schade eigentlich", schrieb er mit einem Zwinkersmiley zurück. "Nein nein, besser so ^^" "Dann kann es nur ein Kompliment gewesen sein... hihi. Aber schön, dass Du mal wieder betrunken warst." "Mein betrunkenes alter Ego hatte irgendwie das Vorhaben, den Kontakt abzubrechen. Weil es den Gedanken nicht ertrug, dass Du mit der Bitch enger befreundet bist als mit ihm. Weiß auch gar nicht, in welchem Zusammenhang ich dazu kam, eigentlich war ich den ganzen Abend fröhlich beschäftigt. Als Kompliment wäre das nur um ein paar Ecken zu verstehen >.<"
(...)
"Mich fuchst das schon eine ganze Weile. Sie war damals "wichtiger" und wenn sie es heute noch ist... vielleicht ist das ne Egosache, aber ich ertrag das nicht."
Er forderte mich auf, ihn anzurufen, ich grummelte, er ließ mir die Entscheidung offen und dann rief ich ihn an. Er lachte, "ich wusste, Du würdest anrufen."
Und: Warum ich es denn nicht längst getan hätte. - Was? - Den Kontakt abzubrechen. - Will ich doch gar nicht. Ich will bloß nicht, dass sie wichtiger ist. Der Gedanke daran ist unerträglich. Er zögerte, "ich könnte Deine Zweifel mit einem Satz aus der Welt wischen. Aber ich weiß nicht, das wäre so plakativ." Ich schwieg. "Du kennst mich.", schob er nach. Und ich dachte, das ist ein bisschen wahr. Eigentlich weiß ich, dass ich wichtiger bin. (Weiß ich das?) Aber trotzdem nagte der Zweifel, ich wollte Sicherheit, klare und deutliche Worte. Wir sind jetzt Freunde, nicht mehr in einer Beziehung, ich sollte nicht mehr so fürchterlich Angst davor haben, ihn durch eine falsche Bewegung von mir zu verlieren ("Verlustangst musst Du wegen mir nicht haben"). Wollte ich grade nur ein bisschen Emo-Action? Was ist eigentlich zur Zeit mit mir los? Ich habe einfach so fürchterliches Heimweh nach Menschen. Ich will Gegenseitigkeit. Ich mag nicht alleine mit dem Gefühl der Verbundenheit sein.
Und dann kam der Satz. Klar und deutlich.
"Ich hatte und habe mich ihr nie so verbunden gefühlt wie mit Dir." (Ich wiederhole in meinem Kopf: ) Mit mir ist eine Verbindung da, die er mit ihr nie hatte.
Erleichterung. Ich versuchte, mit möglichst normaler Stimme "danke" zu sagen und ich musste ganz langsam Luft holen, um wieder Fassung zu gewinnen. Jetzt nicht anfangen zu heulen. Warum hatte ich überhaupt gezweifelt?
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Sozialisation
Zur Zeit komme ich abends aus dem Bad, mache das große Licht aus, das Nachtlicht an, dann ziehe ich mich um und mir schleicht ein fordernder Q um die Beine, bis ich ins Bett stolpere und er neben mich springt. Gutenachtkraulen bis ich oder er einschlafen. Mein Bett ist derzeit auf 90cm eingestellt. Morgens wache ich zwischen zwei Katern eingebettet auf. Q liegt oft immer noch unverändert neben mir unter der Bettdecke, mit seinem Kopf auf dem Kissen. Manchmal Löffelchen, manchmal Rücken an Rücken zu mir. Auf der anderen Seite, auf der Decke eingerollt, manchmal auch am Fußende, liegt Louba.
Ich verstehe die alten Katzendamen. Wer braucht schon Menschen? ____
Spaß beiseite, ich sozialisiere mich langsam. Ich hab mich in den letzten Monaten ein paar Mal überwunden, zu einem Neuinderstadt-Stammtisch zu gehen und auch ein paar nette Menschen kennen gelernt. Alle bisschen älter, auf den ersten Blick kein "Freunde-Material", aber besonders einer dieser Abende hat mich aus dem gröbsten wieder herausgeholt. An dem lernte ich auch Flint (mitte dreißig, Informatiker, Fantasy-Film-Fest-Gänger) kennen, mit dem ich seitdem alle zwei Wochen montags in die Sneak gehe und Ende des Monats wohl auch mal ins Improtheater. Und Sonntag bin ich bei einem Piraten zusammen mit anderen vom Stammtisch privat zum Essen eingeladen worden. Mit den Nerds kann ich eben immer noch am Besten. (Kein Wunder, sind irgendwie meistens auch die freundlichsten und lustigsten Menschen.)
Parallel dazu hab ich mich langsam (zwar mit Anlaufschwierigkeiten, aber immerhin) mit einer Kommilitonin angefreundet, die einen ganzen Rattenschwanz merkwürdiger Geschichten hinter sich her zieht und mich von ihrer Art manchmal an Billy erinnert. Fremde Probleme find ich toll, da braucht man keine Soap mehr. Außerdem kann ich die besser lösen als meine eigenen. Wir ergänzen uns bisher ganz gut - ich helf Kara beim Sortieren ihres Privatlebens und sie gibt mir seelische & moralische Unterstützung, wenn ich mal wieder über mich und die Uni Frust schiebe.
Dazu kommt, dass es zwar schweinearschkalt ist mit Minus-Zweistellig-Grad, aber endlich die Sonne in Bamberg scheint.
Bamberg und ich, wir beschnuppern uns immer noch, aber ich bin guter Dinge.
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Update
Unfähig gewesen, auf die Klausur heute adäquat zu lernen und mich krank schreiben lassen. Immerhin gleich die Überweisung zum Therapeuten mitgenommen und endlich geschafft, diesen Anruf zu tätigen: Am 16.02. hab ich einen Termin in Nürnberg, bei einem der wenigen, der sich mit Erwachsenen-ADS auskennt. Wollte es eigentlich nicht so zum Thema machen, aber ich packs grade einfach nicht mehr alleine.
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