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Emobahn

Samstag betrunken worden und mit den beiden Mädels noch in die Disco. Kara hat mal wieder ihren berüchtigten "polnischen Abgang" gemacht und sich in Luft aufgelöst... und ich habe später zum Glück auch gut nach Hause gefunden, auch wenn mir der Fahrradweg irgendwie schmaler als sonst vorkam. Irgendwann, noch recht am Anfang des Abends hatte ich für Kara die Story mit Row umrissen, aber nur kurz.

Am nächsten Morgen fiel mir panisch ein, dass ich in irgendeinem Moment in der Disco daran dachte, Row zu schreiben. Ich erinnere mich sogar noch daran, dass ich es im Kopf bereits ausformuliert hatte und schaute überall nach (sms, whatsapp, mail?), aber ich hatte es dann wohl doch vergessen. Aber der Gedanke kneifte mich schon seit Wochen, ach was, Monate. Ansprechen, nicht ansprechen? Wieder weit von mir schieben?

"Puh. Hab mich grade daran erinnert, dass ich Dir gestern betrunken schreiben wollte. Hab es wohl doch nicht gemacht, wie praktisch :D"
"Schade eigentlich", schrieb er mit einem Zwinkersmiley zurück.
"Nein nein, besser so ^^"
"Dann kann es nur ein Kompliment gewesen sein... hihi. Aber schön, dass Du mal wieder betrunken warst."
"Mein betrunkenes alter Ego hatte irgendwie das Vorhaben, den Kontakt abzubrechen. Weil es den Gedanken nicht ertrug, dass Du mit der Bitch enger befreundet bist als mit ihm. Weiß auch gar nicht, in welchem Zusammenhang ich dazu kam, eigentlich war ich den ganzen Abend fröhlich beschäftigt.
Als Kompliment wäre das nur um ein paar Ecken zu verstehen >.<"

(...)

"Mich fuchst das schon eine ganze Weile. Sie war damals "wichtiger" und wenn sie es heute noch ist... vielleicht ist das ne Egosache, aber ich ertrag das nicht."

Er forderte mich auf, ihn anzurufen, ich grummelte, er ließ mir die Entscheidung offen und dann rief ich ihn an. Er lachte, "ich wusste, Du würdest anrufen."

Und: Warum ich es denn nicht längst getan hätte. - Was? - Den Kontakt abzubrechen. - Will ich doch gar nicht. Ich will bloß nicht, dass sie wichtiger ist. Der Gedanke daran ist unerträglich.
Er zögerte, "ich könnte Deine Zweifel mit einem Satz aus der Welt wischen. Aber ich weiß nicht, das wäre so plakativ."
Ich schwieg.
"Du kennst mich.", schob er nach.
Und ich dachte, das ist ein bisschen wahr. Eigentlich weiß ich, dass ich wichtiger bin. (Weiß ich das?) Aber trotzdem nagte der Zweifel, ich wollte Sicherheit, klare und deutliche Worte. Wir sind jetzt Freunde, nicht mehr in einer Beziehung, ich sollte nicht mehr so fürchterlich Angst davor haben, ihn durch eine falsche Bewegung von mir zu verlieren ("Verlustangst musst Du wegen mir nicht haben"). Wollte ich grade nur ein bisschen Emo-Action? Was ist eigentlich zur Zeit mit mir los? Ich habe einfach so fürchterliches Heimweh nach Menschen. Ich will Gegenseitigkeit. Ich mag nicht alleine mit dem Gefühl der Verbundenheit sein.

Und dann kam der Satz. Klar und deutlich.

"Ich hatte und habe mich ihr nie so verbunden gefühlt wie mit Dir." (Ich wiederhole in meinem Kopf: ) Mit mir ist eine Verbindung da, die er mit ihr nie hatte.

Erleichterung. Ich versuchte, mit möglichst normaler Stimme "danke" zu sagen und ich musste ganz langsam Luft holen, um wieder Fassung zu gewinnen. Jetzt nicht anfangen zu heulen. Warum hatte ich überhaupt gezweifelt?
6.2.12 20:00
 


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