© elfchenhöhle wegweiser music blogroll ?

Ankommen im Weitergehen

Ich erkenne dieses Gefühl, die Müdigkeit ist mir vertraut. Ich habe lange gebraucht, es als depressive Phase anzuerkennen, da es mir eigentlich gar nicht schlecht geht und ich auch nicht tieftraurig bin. Es ist bloß auf einmal alles so anstrengend, dieses am Leben bleiben, Wäsche waschen, morgens aufstehen, einen funktionierendes Teilchen der Gesellschaft sein, Haushalt machen, Lebenszeichen geben und Nachrichten beantworten, alles abwehren was Kraft kostet (neue Menschen, Begegnungen, sich öffnen, fröhliche Fassade aufrecht erhalten), mich in Decken und Netflix einmümmeln und die Katzen kraulen. Ganze Wochenenden ohne ein Wort im Bett liegen bleiben, weil alles viel zu anstrengend ist. Ich bin des Lebens müde.

Ich erkenne dieses Gefühl von panischer Orientierungslosigkeit. Die Leuchttürme sind verloschen und das beruhigende Gefühl vieler Jahre, verbunden zu sein, jemanden auch in tiefster Nacht anrufen zu können, verloren gegangen. Menschen, die ein Zuhause waren, sind nur noch fern erleuchtete Fenster in der Nacht. Darin geht das Leben weiter, draußen gehe ich weiter. I walk alone.

Der Unterschied zu der Zeit vor meinen Leuchtturmjahren ist: Ich weiß nun, dass es da draußen Menschen gibt, mit denen es mir so gehen kann. Es gibt Menschen, die für mich, für sich, mit mir leuchten. Ich muss nur weiter gehen. Es muss weiter gehen.

***

Und dann wieder lichte Momente der Dankbarkeit: Ich werde Weihnachten mit den Katzen bei Nom, der Füchsin und den beiden Kids verbringen und der Gedanke daran lässt seit Tagen immer wieder ein Lächeln aus mir hervorbrechen.

***

Ich trau mich nicht, wichtig zu sein. Ich trau mir nicht zu, für andere wichtig zu sein.
19.11.18 22:22


Wälderei

Wenn man so lange von sich weggesehen hat, ist es gar nicht so einfach, sich wiederzuerkennen.

***

Ich bin letztens jemandem begegnet, mit dem ich ein paar Mal im Wald spazieren war. Er ist introvertiert, hat ein wunderschönes Lachen und umarmt warm. Er ist Jäger, aber ich glaube, er liegt einfach gerne im Wald herum und beobachtet Rehe. Einmal hielt er inne und zeigte in den Wald, in dem ein junger Bock stand. Ich hätte ihn völlig übersehen, er dagegen ist ziemlich aufmerksam. Wir saßen bei Regen lange in einem Jägersitz und tauschten Geschichten über uns aus, bis es wieder trocken genug war, um weiter zu gehen. Er fühlte sich unglaublich ruhig und beruhigend an, was ich - mal wieder - mit heimeliger Geborgenheit verwechselte. Leider stellte sich mein Interesse als einseitig heraus. Aber das ist okay, ich brauch grade nur ein bisschen, um mich wieder an seine Abwesenheit zu gewöhnen (wir hatten wochenlang täglich geschrieben).
Ich glaube, er hat so viele mentale Punkte erfüllt (mag Whisky, seine Art/Neugier Dinge von Grund auf zu lernen, er war mal Schreiner, ist jetzt IT-Fuzzi, die Augen funkeln wach, er ist sehr unaufdringlich und aufmerksam, kocht gerne, hat schon eine 6jährige Tochter), dass ich über die ganzen unpassenden (stur, megasportlich, etwas einsiedlerisch, 6jährige Tochter, sehr kategorisch urteilend, grenzwertig dörfliches politisches Denken) mal wieder hinweg gesehen hatte.

Geblieben ist aber meine Wiederentdeckung des Waldes. Ja, ich, Waldelfe, hatte den Wald vergessen. Seit ein paar Wochen nun gehe ich bei abendlichem Sonnenschein nach der Arbeit spazieren, schaue dem Licht zwischen den Blättern zu, gehe mitten auf dem Weg in die Hocke, beobachte Käfer, Blindschleichen, Eichhörnchen, Vögel und den langsamen Wechseln in den Herbst. Ich bin immer noch etwas traurig darüber, dass dieser Mensch wohl nur kurzer Gast in meinem Leben war, aber er hat mir ein paar wichtige Impulse geschenkt. Mit welcher Freude er in seinem Körper lebt - der ungemein sportlich ist und auch eine Menge wegstecken kann (Kite-Surfen, mal eben einmal queer über den Bodensee schwimmen). Irgendwie hat die Begegnung mit ihm meine Perspektive auf meinen eigenen Körper verändert. Weg von "er muss so und so aussehen" und hin zu "wow, ich habe einen Körper und er kann tolle Dinge". Er kann einen Trimm-Dich-Pfad laufen. Er kann Indian Balance. Er kann mich querfeldein durch die Gegend tragen und mich neue kleine Welten entdecken lassen. Ich habe eine ganz neue Wertschätzung und sportliche Betätigung ist zum ersten Mal keine Qual mehr, sondern ganz langsam eine Freude darüber, dass ich meinen Körper bewegen kann.
28.9.18 17:49


Und nu?

Ich bin an einem seltsamen Punkt in meinem Leben. Ich bin dort angekommen, wo ich dachte, hin zu müssen: Mein Masterstudium ist abgeschlossen und ich habe einen unbefristeten Vertrag für einem abwechslungsreichen Job, den ich einigermaßen gut hinbekomme.
Es ist sicher, es ist bequem. Ab Januar darf ich sogar auf 90% runter.
Damit ist es also endlich geschafft: Ich bin erfolgreich im Erwachsenenleben angekommen. Davor hatte ich jahrelang Angst, also, das nicht zu packen. Eigentlich ist das ein Grund zum Feiern. Und jetzt?

Seit einiger Zeit nagt langsam die Frage an mir, ob es das schon war. Vor allem, seit ich mir ziemlich sicher bin, dass ich keine Kinder möchte. Damit fällt ja schon mal ein automatischer Sinnproduzent weg und ich muss mir selbst was überlegen.

Ich hatte mich vor 2 Wochen in Dublin so wohl gefühlt, als alle englisch sprachen. Mein erstes Mal in einem englischsprachigen Land - als wäre ich in einer meiner Serien unterwegs. Ich mag außerdem die herzlich fluchende Art der Iren. Wie wäre es wohl, dort zu leben?

Irgendwie hatte ich das Glück/Pech, direkt einen Job zu finden, der zu gut, zu wertvoll, zu passend für mich ist, um ihn (zu diesem Zeitpunkt) noch mal zu wechseln.
2.9.18 18:56


Gegen das Vergessen

Mir ist aufgefallen, an wie wenig ich mich erinnern kann und wie gerne ich hier meine Vergangenheit nachlese. Seit ich nicht mehr schreibe, sind es in meinen Gedanken "die verlorenen Jahre": Zeitspannen, die nur noch grobe Schlagwörter in meiner Erinnerung oder sogar ganz vergessen sind. Ich fange also wieder an und versuche noch ein bisschen von dem letzten Jahr Handynotizen (leider nicht wirklich stringent und ein bisschen chaotisch) in meine Erinnerungskiste zu retten (siehe nachträgliche Einträge seit März 2017).

Jetzt schon merke ich, nach fast einem Jahr, wie ich langsam die Dinge zu vergessen drohe. Es bleiben nur noch Fetzen übrig: Ich, weinend am Badewannenrand. Das kaputt getretene Fußende des Bettes. Seine traurigen Augen, die mich immer wieder zur Schuldigen gemacht haben. Er musste ja so handeln, ich habe ihn dazu gebracht. Man macht sich immer kleiner, unauffälliger, passt sich an, läuft auf Eierschalen, bloß nichts falsches sagen, bloß bei Laune halten. Damit es schön bleibt. Weil es so unglaublich schön war, wenn es schön war. Aber es hielt nie lange.

->Rückblick
Ich hatte mir innerlich die Deadline meines Urlaubes im September 2017 gesetzt, danach wollte ich frei sein, den Kopf frei bekommen, wieder zu mir zurück finden. Ich habe es dann tatsächlich bis zum äußersten Ende durchgestanden, ihn noch auf dem Weg zum Flughafen zum Bahnhof gebracht und mit Tränen in den Augen verabschiedet. Er hatte sich so sehr nach Zuhause angefühlt, und ich hatte eine fürchterliche Sehnsucht nach einem Zuhause, aber er war es nicht. Wie kann sich jemand so falsches so verdammt richtig anfühlen?
Ein knappes halbes Jahr ging die ganze Beziehung, die mich emotional völlig kaputt gemacht hat und immer noch nachwirkt. Dune hatte eine manipulative Art, der ich nicht widerstehen konnte, obwohl ich sie sah. Er meinte mal, ich würde ihm irgendwann dankbar sein für all das, was er mir angetan hat, so wie alle seine Ex, irgendwann würde ich es verstehen. Es ist jetzt bald ein Jahr und ich versteh's nicht. Was ich dafür zum ersten Mal verstehe, sind abusive relationships, in denen die Frau nicht gehen kann, oder immer wieder kommt. Been there, done that. Thanks, but no thanks.

Wir haben den Kontakt größtenteils abgebrochen, hin und wieder gibt es einen kurzen Austausch und bei mir flammt immer wieder ein starkes Vermissen auf, aber es hält nie lange. Dann schreibt er nämlich wieder was abstruses, lacht wie ein Irrer in die Sprachnachricht, phantasiert Scheiß herbei und das ganze fühlt sich an wie eine heiße Kartoffel und ich lasse wieder los. Tief durchatmen. Ich darf Heimweh nicht mit ihm verwechseln.

Ich habe nach unserem Ende auf Kreta die ersten drei Tage in der Hängematte bei 30° Grad im Schatten gelegen, ein ganzes Buch gelesen und Serien geschaut, weil ich so erledigt war, so lebensmüde, so erschöpft. Ich habe es nicht einmal die 400m ans Meer geschafft.
31.8.18 22:12


The end

18.08.
Bin morgens um kurz nach 8 aufgewacht und ein einem spontanen Anfall an den See gelaufen. Dort saß ich dann auf einem Stein und genoss die Stille.

Später habe ich eine Mail mit meinem Frust an Dune geschrieben. Balanciere emotional an der Grenze zu "es reicht".
Telefonat mit ihm und er jammert mal wieder, wie schlecht es ihm doch geht.

Er hat mir eine wirre und irre Mail geschrieben. Er möchte, dass ich mit ihm einen "Vertrag" unterschreibe.

Hiermit erkläre ich, sowohl Verfasser, als auch Willensbefugter, dass ich - als metaphysisch und äther-reale Person - bis dato aus mutuellem Respekt gehandelt - aufrichtig, ehrlich und mit bestem Wissen und Gewissen, weder gelogen, noch Informationen unterschlagen habe, die meinem Gegenüber(Verfasser/Befugte Verhältnis) zu körperlichen und/oder ebenso damit verbunden
seelischem Schaden oder Leid haben, kommen lassen. Sollte ich mit der Unterzeichnung dieser Erklärung, gegen eine der genannten Fakten in der Zukunft verstoßen, so verpflichte ich mich, dass ein analoger Teil meiner/s Essenz, Glücks, ES, Gesundheit und Seele, in den temporären virtuell-weltlichen Besitz, des jeweiligen, vom Schaden betroffenen Vertragspartners/partnerin übergeht/übergehen.
Die Verpflichtung gilt sowohl retrosperspektivisch, als auch vice-versa. Es wird mit dem Namen signiert, welcher gut leserlich und in der universellen gültigen Art und Weise unterschrieben. Dieses
Bündnis gilt zu Lebezeiten, als auch über den Tod hinaus, bis in alle Ewigkeit und Anfang, sowie Ende des uns bekannten Kontinuums. Darüber hinaus ändert sich dieses Verhältnis fortwährend, Verfasser und Befugte oder Verfasserin und Befugte, in äquivalenten, die/den nächsten liebenden Teilen. Etwaige mündliche Nebenabreden, die außerhalb dieses Vertrags geschlossen werden, sind damit ungültig. Weitere Sonderregeln sind in dem dafür vermerkten Abschnitt zu vermerken.
Beide Beteiligten erklären sich darüber hinaus damit einverstanden, von allem und/oder mit weniger als nichts, die gegenseitigen Regeln des guten Zusammenlebens zu beachten, einzuhalten und zu akzeptieren.
Das Prinzip der Nächstenliebe ist selbstverständlich Grundsatz für alle Teile dieser Anwendung.
Sonderregelungen bleiben immer während bestehen.
For a better common tomorrow!"


No way. WTF.

19.08.
Er kam kalt an, was unglaublich weh tat.

Irgendwann hab ich vor Erschöpfung bitterlich geweint. Ich kann das nicht mehr. Er taute auf, tröstete mich und streichelte mir den Rücken.

Irgendwie braucht er immer heftige Emotionen, um zu leben, um zu lieben, um etwas zu spüren.

24.08.
So wenig Kraft für den Alltag. Bekomme nur das notwendigste gebacken.

Dune ist seit 11 Tagen grasfrei. Er hatte eine plötzliche Erleuchtung, dass es nicht gut für ihn ist. Heute hat er sich zum ersten Mal wenig beklagt. Es scheint ihm besser zu gehen? Er wirkte endlich etwas klarer.

25.08.
Wunderschöner Abend mit Dune, er ist ausgeglichen, fast wie zu Anfangszeiten, redet viel, es herrscht wunderbare Harmonie. Nach tollem Sex noch geredet, mir sind immer wieder die Augen zugefallen. Irgendwann habe ich unreflektiert was dummes gesagt und er antwortet abrupt, "ich kann so nicht".
Wie ich diesen Satz inzwischen hasse. Der Triggersatz hat bei mir einen Schalter umgelegt. Ich hatte mir gesagt, sowas nochmal und das war's. Ich verkrafte nicht mehr.
"Ich muss jetzt gehen" war Satz Nr. 2, der hat es dann besiegelt. Ja geh halt.

26.08. Samstag
Die Nacht kaum & schlecht geschlafen (wo er wohl hin ist?). Den heutigen Tag vor allem heulend verbracht. Ich kann nicht mehr.

28.08.
Starre alle paar Minuten in unseren Whatsappchat. Halb wünschend, er möge was schreiben, halb befürchtend.
Wenn er kämpft, habe ich wieder verloren. Er fehlt mir und ich würde wider besseren Wissens wieder nachgeben.
(Täglich grüßt das Murmeltier. Nur ohne Schlaf.)

29.08.
Bis heute durchgehalten, Dune nicht zu schreiben. Habe ihm die Bilder vom Zähneputzen geschickt.

30.08.
Dune schickt Bilder/Memes, aber so lange es nicht seine Worte sind, berühren sie mich wenig.
Versuche ihn auszublenden und schaue das erste Mal seit Monaten wieder unter der Woche Serien.
Fühle mich sehr alleine. Day by day.

31.08.
Hatten kurz Kontakt - habe ihm meinen Urlaubsbeginn (14.09.) für den nächsten Kontakt vorgeschlagen. Er war einverstanden.

03.09.
Flug nach Kreta gebucht!
Online Siedler von Catan mit Dune gespielt, war schön, bis er blöde Kommentare zu meiner Spielweise abgab und meine darauffolgende Gereiztheit meiner PMS zuschob.

04.09.
Dune fehlt. Aber immer wenn es zu stark wird, lässt er irgendwas doofes von sich oder schreibt wirr und mir wird's wieder zuviel.

12.09.
Langen Chat an Dune geschrieben. Weiß nicht weiter mit uns.

[21:23] Waldelfe: Ich habe das Gefühl, es Dir nicht recht machen zu können. Verschiedene Herangehensweisen und egal wie sehr ich versuche mich zu verbiegen - es endet meist mit einem ähnlichen Ergebnis. Kein Schlaf. Drama. Nachtspaziergang. Nerven blank. Und ich darf mir anhören, dass ich das ausgelöst hätte. Wenn ich allerdings meine und Deine vergangenen Beziehungen ansehe, sehe ich den gemeinsamen Dramanenner woanders. Und es macht mich echt verrückt, dass ich damit nicht umgehen kann. Sonst bin ich ziemlich gut im Dramamanagement und vernünftiger Diskussion. Ich möchte nicht mit jemandem zusammen sein, bei dem sich mir die Fußnägel hochrollen, wenn er mir noch einmal in seiner besserwisserischen Tonlage "Hast du da schon einmal drüber nachgedacht?" auf's Brot schmiert und ich ihn ständig mit Kokosnüssen bewerfen will, weil ich wohl nur noch auf Palmen wohne.
[21:24] Dune: Glaub mich laust der Affe. Sonst sehe ich es ähnlich
[21:27] Waldelfe: Schöne Totschlagantwort, das hast Du die vergangenen Male auch schon als Antwort auf meinen Klartext gebracht. Équivalent zu Spiegelspiegel Doppelspiegel.

Kokosnuss?
[21:29] Dune: Baum?
[21:29] Dune: Das ist eine seltsame Perzeption, dafür das ich versuche Kongruenz mit Dir erzeugen zu wollen.
[21:30] Dune:
[21:31] Dune: Fast so als würdest du im ersten Text zwischen den Zeilen beschriebene Gefühle (Wut, Ahnungslosigkeit, etwas Hilflosigkeit)stark auf mich projezieren wollen. Differenziert betrachtet...
[21:31] Waldelfe: Eine Sache die ich an Dir nicht ausstehen kann: ich möchte dass Du authentisch bist statt manipulativ zu handeln (Dinge sagen, die falsche Kongruenz erzeugen oder von denen Du denkst, dass ich sie hören will).
[21:32] Waldelfe: Mir ist das schon ein paar Mal aufgefallen, dass Du hinterher gesagt hast, das hättest Du nur aus XY Gründen gesagt. Ganz schlechter Nachgeschmack.
[21:43] Waldelfe: Weißt Du was das schlimmste an der ganzen Sache ist? Dass ich, egal wie sehr Du mich wurmst, trotzdem noch starke Gefühle für Dich habe. Ich wünsche mir, dass es Dir gut geht, dass Du lernst und wächst und... irgendwie ankommst. Wo auch immer. Bei wem auch immer. Und ich möchte gerne da sein, Dich auch in schlechten Zeiten in den Arm nehmen können. Mal eine positive Beziehung in Deinem Leben darstellen, nicht nur ein weiterer Flop.

Völlig gescheitert.

Das macht mich ziemlich wütend, jetzt gerade, auch gegen mich selbst.
31.8.18 21:50


Seit die Trennung an-/ausgesprochen wurde, bereitet sich jeder emotional darauf vor, was natürlich nicht zu einem "gemeinsamen Weg" führt. Starke Verlustschmerzen und Trauer. Und Trotz. Ich werde mich selbst nicht aufgeben. Ich bin sehr erschöpft und habe ein hohes Ruhebedürfnis.
18.8.17 21:00


Pro Contra Dune

Ich habe eine +/- Liste über ihn erstellt, ich wollte mir das einfach mal verschriftlichen.

Pro:
Er und seine Umarmungen fühlen sich nach Zuhause an.
Er knutscht ebenso gerne.
Sein Lachen und seine Laune sind unglaublich ansteckend.
Er ist kontaktfreudig und interessiert an anderen Menschen.
Liebt mich, auf seine Weise; sorgt/kümmert sich um mich.
Sex ist schön, meistens.
Teilt meine Interessen (spielt gerne, ähnlicher Filmgeschmack, schaut auch gerne in Englisch).
Wir teilen einen ähnlichen Humor.
Er kann sich ganze Songtexte merken und mir zum Einschlafen vorsingen.
Fährt für eine Umarmung und Frieden stundenlang hin und her, kommt immer wieder zu mir. Er zeigt deutlich, dass ich/wir ihm wichtig ist/sind.
Er mag meinen Körper und kritisiert ihn nicht, mag mich ungeschminkt.
Er mag Knoblauch und erträgt meine Knoblauchfahne. Umschreibt es, wenn ich stinke, mit „Du entgiftest!“
Er ist handwerklich nicht unbegabt und packt Dinge an (Spülkasten, Kaffeemaschine).
Ist selbstständig, kann auch mal die Führung übernehmen.

Contra:
Weil meine ganze (WE-)Energie für ihn drauf geht, habe ich keine mehr übrig, um Freunde vor Ort zu finden.
Schlaf mit ihm ist unerholsam. Will nachts kuscheln und reden, egal ob ich davon wach werde, egal wie dringend ich Schlaf brauche.
Er steckt mich auch mit seinen schlechten Launen an. Benutzt Heulen und Tränen zur theatralischen Untermalung. Wirft mir „schlechte NLP“ vor, wiederholt aber immer und immer wieder, dass er alleine ist (was meine Anwesenheit in seinem Leben negiert und überflüssig macht).
Drängt sich gerne in den Vordergrund und dominiert Gespräche. Hat ein starkes Bedürfnis nach tieferen Gedankenaustausch (zu seinen Themen), auch wenn es gerade unpassend ist. Spricht vor allem selbst. Hab den Eindruck, dass er immer von Gesprächen/Begegnungen „profitieren“ will und daher schlecht genießen kann as it is. Erträgt Stille kaum. Impulse, die er von anderen bekommt, sind oft eigene Assoziationen, die er selbst knüpft. Eigentlich begegnet er immer nur sich selbst.
Komplimente/Worte sind sehr bewusst und manipulativ gesetzt. Manchmal sagt er Dinge nur wegen der Wirkung, nicht weil er sie wirklich meint.
Reagiert auf Kritik mit „Spiegel, Doppelspiegel“. Man leidet unter ihm und seinen Handlungen ja nur, weil man einer Reflektion von sich selbst begegnet (was für ein grandioser Freischein für bescheidenes Verhalten!). Er deutet und lenkt alles so um, dass er das Opfer ist.
Er nimmt meine Sorgen nicht ernst (Haus verkauft? Ach pfft. Selbstunsicher? Ach pfft. Erschöpft und am Ende? Ach pfft. Solange ich nicht theatralisch zu Boden sinke, kann es mir ja gar nicht so schlecht gehen. Ihm geht es viel schlechter.) und kann nicht mit meiner Stressbewältigungsart umgehen (kurz Dampf ablassen / mich mitteilen und dann ist gut). Brauche manchmal keine Lösungen, sondern jemanden der zuhört und Verständnis hat.
Er holt alte Verletzungen immer wieder aufs Neue hervor und reißt immer wieder seine und meine Wunden auf. Wir drehen uns im Kreis.
Phantasiert sich Scheiß zusammen, der auf Dauer echt nervt, weil ich ihn mir immer wieder erneut anhören muss und längst nicht mehr lustig ist (Bitcoinqueen, heimliche Escort). Manchmal lächerlich abergläubisch (würfelt eine 3 und deshalb muss ich einen Nebenlover haben, weil „der Würfel lügt nicht“. Wtf?)
Sex befriedigt ihn nicht/selten. Immer ist es er, der bestimmt, wann Sex „gut“ ist. Will ständig, dass ich sein bitteres Sperma schlucke und BJ alleine (z.B. als Vorspiel) reicht nicht. Eigentlich ist für ihn nur das Schlucken befriedigend.
Sein inneres Tier, wie er es nennt, ist mir zutiefst unsympathisch. Er redet von seinen „Grundbedürfnissen“, die ich im wahrsten Sinne befriedigen muss und achtet meine nicht (just some fucking sleep). Schaut v.a. bei Geld auf „Ausgleich“, selten in anderen Bereichen.
Ständig tut ihm was weh, ständig fordert er Rücksicht (Zähne, Brust, Herz, Daumen). Nimmt aber selbst wenig Rücksicht auf mich (mein etwas gestörtes Verhältnis zu Sex, meine Erschöpfung). Seine Art des Löffelchen / a tergo machen mir Nackenschmerzen. Trotzdem mach ich’s, weil er es mag (und hinterher ist er unzufrieden, weil er sich trotzdem unbefriedigt fühlt. Fuck you.)
Katzenhaarallergie. Aber raucht 1-2 Päckchen Zigaretten, kokst und heult dann wegen der Katzenhaare rum.
Er raucht. Er nimmt Drogen (und ist traurigerweise auf Butter sogar am erträglichsten, weil endlich friedlich-druff, unparanoid und schmerzfrei).
Lässt vieles liegen, lässt Sachen offen, im Chaos. Und reagiert auf
Er geht extrem leichtfertig mit Geld um (um mir zu beweisen, „dass er es kann“?). Macht manchmal einen sehr lebensinkompetenten Eindruck und phantasiert sich mögliche Zukunften zusammen, als reicher Mensch der die Welt rettet.
Spricht oft von Geld, was mich überhaupt nicht interessiert. Ich bin mit sehr wenig aufgewachsen und habe daher einen sehr bedachten/sparsamen Umgang mit Geld. Ich weiß gar nichts mit viel Geld anzufangen (außer mein Sicherheitsbedürfnis zu erfüllen). Ich bin viel zu beschäftigt damit, trying to fit in the life i chose.
31.8.18 21:50


Dune

Ich hatte noch nie eine solche Beziehung zu einem anderen Menschen. Zum ersten Mal verstehe ich den Begriff der "Hassliebe" und wünsche diese Erfahrung niemandem. Die größte Frage, die ich mir seit Monaten stelle: Warum mache ich das mit? Ist mir in meinem Leben tatsächlich so langweilig, dass ich dem ein ständiges Drama vorziehe? Es gab so viele Momente, in denen ich hätte gehen können, vielleicht auch sollen, und immer fühlte es sich an, als wären wir noch nicht "fertig".

Dune ist heißkalt und wirft mir Launenhaftigkeit vor, weil ich auf seine Temperaturen reagiere. Er selbst sei ja völlig im Zen. Ich sei es, welche die Achterbahn reinbringe. Alles was ich zur Verteidigung vorbringe, wirft er kindisch auf mich zurück, wie im Spiel "Spiegel, Doppelspiegel!". Er hat (meiner Ansicht nach) psychotische Schübe und phatasiert Welten zusammen, in denen andere ihm Böses wollen, er paranoid wird und ich fünf andere Männer neben ihm habe. In klaren Momenten ist ihm völlig bewusst, dass es nur Phantasien sind. Während eines Schubes, der auch mal (wie heute morgen) um kurz nach 4 beginnt, bekomme ich all den Mist in seinem Kopf zu hören. Und dann wundert er sich, wenn ich nach 40min ihn still im Arm haltendend, geduldig abwartend und völlig übermüdet, mit meiner Decke aufspringe und ins Gästezimmer umziehe. Später wirft er mir dann vor, dass zu einem Streit ja immer 2 Personen gehören würden und ich meinen Teil dazu beigetragen hätte. Durch Flucht? Ach fuck you. Fuck you. Fuck you.

Ich habe gegenüber eines Menschen noch nie so oft Fuck you gedacht und dieses Fuck you aus vollem Herzen gespürt. Was mich zur Frage zurück bringt: Warum tue ich mir das an?

Dune hat verschiedene Persona:
Einen arroganten Möchtegernalpha, der die Welt retten möchte, der fest an seinen Glaubenssätzen festhält (z.B. dass alle, die ihm diese Persona vorwerfen, später ankommen würden, dass er "Recht" gehabt hätte) und der bei mir innerlich auf Widerstand stößt (was vor allem beim Sex problematisch ist, da ich vor "solchen Männern" eine große Ablehnung verspüre).
Ein Ich, dass sehr redebedürftig viel und schnell spricht und einen mit seinen Interessen zuspamt (Bitcoin, Weltretten), so wie man sich einen klassischen ADHSler vorstellen würde.
Sein inneres Kind ist in der Vergangenheit sehr verletzt worden und weckt bei mir einen starken Beschützerinstinkt. Ich glaube, die Persona ist dann auch die, die mich immer wieder bleiben lässt. Ich möchte nicht ein weiterer Mensch sein, der es verlässt (obwohl seine erste Persona es verdammt noch mal verdient hätte).
Dann ist da noch sein Ich, wenn er Drogen konsumiert hat: glücklich und ausgeglichen, unparanoid, klar, etwas ruhiger und sehr liebevoll. Obwohl sich alles bei mir dagegen sträubt und ich nicht dachte, mit über 30 noch mit "solchen" Menschen zu tun zu haben, ist es mir die liebste Persona. Wie traurig es ist, jemandes Drogen-Ich zu bevorzugen?

Jetzt ist wieder ein Punkt erreicht, an dem ich gehen könnte. Ich will, aber ich kann nicht.
12.8.17 16:17


Dass Du Dich in Deinem "dominanten" Ich von mir bedroht fühlst und mich dominieren möchtest, zeugt nicht gerade von tatsächlicher "Führungsqualität". Ich werde gerne geführt, suche Führung und ordne mich geeigneter Führung unter. Ich möchte jedoch nicht unterworfen werden. Unterwerfende Dominanz macht mich rebellisch. Ich gebe gerne aber möchte nichts genommen bekommen.
31.8.18 21:50


This too shall pass

Lights find other lights

Ich bin heute direkt wieder in den Arbeitsalltag reingefallen und es fällt mir nicht leicht, das Gefühl vom Wochenende zu halten. Einerseits fühle ich mich wieder mehr im Reinen und "bei mir", andererseits wird das vermutlich recht bald Konsequenzen nach sich ziehen, vor denen ich mich gerade noch drücke. Die nächsten Wochen werden spannend. Mir ist bewusst geworden, wie sehr mich manche Menschen "aus der Haut fahren" lassen. Ich möchte aber bei mir bleiben können und wünsche mir jemanden, der mich dort antrifft. Oder mich gar dorthin zurück holt, wenn ich gerade von meinem Weg abkomme.

Beim Ritual mit Clara bekam ich bei der "Hingabe" eine wunderschöne Umarmung mit den Worten, "Du musst gar nichts, lass einfach los, alles wird gut". Das tat unglaublich gut und ist gerade mein Mantra. Wie auch Karunesh gesungen hat: Alles ist gut. Man muss es nur oft genug singen
31.8.18 21:51


Gaslightening

Möchte Ich-Botschaften senden und bekomme dann mein ich ich ich vorgeworfen. Du darf ich auch nicht sagen, lieber man, dann kann er sich aussuchen ob er sich angesprochen fühlen möchte.
Müssen ist auch ein negatives Sprachmuster (das habe ich ja noch eingesehen), enttäuscht, letzter und hassen soll man auch nicht sagen. Aber er wirft mit Begriffen wie bedingungsloser Liebe um sich ohne die entsprechenden Gefühle zu zeigen.

Orale Fixation, unter Druck aber kein Druck.

Ständiges Androhen zu gehen, aber er droht ja nie.

Darf mich nicht selbst erklären. Das wären alte Konstrukte und Selbst-Bilder, ich solle mir doch Raum zur Veränderung geben. Außerdem wäre er gut in Mustererkennung und würde das alles selbst herausfinden. Er sei ja nicht doof.
Fantasiert sich Konstrukte zusammen, ohne sie zu verifizieren.

Mathematisches Glücksspiel.

Hinterfragt Sachen nicht. Schokolade.

Spiegelt Emotionen plus 10%

Sagt so ziemlich alles was ihm so durch den Kopf geht. 5 Kinder mit verschiedenen Frauen, rumvögeln, will Freiheit, kiffen, schläft scheiße, redet dauernd von seiner Nase, allergisch gegen so ziemlich alles und auch meine Katzen.

Ist paranoid, dass alle ihm was schlechtes wollen und seine Wirklichkeitswahrnehmung stören wollen. Ist leicht zu irritieren, wenn Dinge nicht an ihrem Ort liegen. Unterstellt einem böse Absichten, wenn man Dinge woanders hinräumt.

Er wisse ja nicht was für schlechte Erfahrungen ich bisher mit anderen Männern gemacht habe, aber er sei anders.
Darüber kann ich nur lachen. Ich hatte gute Männer. Luke ist für eine Spinne drei Stockwerke runter gelaufen, weil er um ihren Tod fürchtete, wenn er sie aus dem Fenster werfen würde. Ja er ist anders. Er ist die schlechte Erfahrung.

Er mag Redundanz nicht, liest aber weder gescheit noch hört richtig zu, was dazu führt, dass ich mich ständig wiederholen muss. Wenn er eine Wiederholung bemerkt, beschwert er sich über Redundanz.

Ich verstehe die Hälfte von dem was er sagt nicht, weil es zu wirr ist.
31.8.18 21:51


Kritische Kiste

Ich sollte mich mit meinen Ängsten mehr öffnen, damit er mich nicht immer als stark erlebt. Ich trete als stark auf, weil das meine vertraute Rolle ist. Unter dem Deckmantel finden sich die ganzen Gefühlsmonster: Minderwertigkeitskomplexe, Verlustängste, Unsicherheit. Kompensation mit Kontrollbedürfnis.

Sexfass: Schon immer schwierige Beziehung zu Sex. Widerspricht meinem Bedürfnis nach Kontrolle, kann schlecht loslassen, hab einen inneren Kommentator an.

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal mit soviel Angst und Unsicherheit in eine Beziehung rein bin.

Er schüchtert mich extrem ein und ich fühle mich unter Druck, inadäquat, unerfahren. Sein Gerede über Sex stresst mich. Es verdirbt mir sogar die Lust. Als ob die eine kommentierende Stimme in meinem Kopf nicht schon reichen würde.
Es klingt mehr nach Leistungssport und was wir grade machen nach einem langweiligen Spaziergang im Park. Ich gehe gern mal im Park spazieren. Ich bin keine Triatlethin.
Ich habe anfangs gedacht, okay schauen wir mal, ich bin ja anpassungsfähig. Aber der "zukünftige Sex", der ihm so vorschwebt (von wegen "keine Erwartungen"), ist für mich so undefiniert. Was soll da kommen, wie soll der aussehen? Was stellt er sich da vor? Eigentlich erreicht er damit genau das Gegenteil: ich verschließe mich, passe mich an, versuche es ihm Recht zu machen. Das ist aber nicht das, wo wir gerne hin würden.
Ich würde mich gerne öffnen, Dinge ausprobieren. Druck blockiert mich aber. Ich bräuchte eine relaxte, spielerische Herangehensweise und Zeit. Und keine Abwertung meiner Blümchenwiese.

Er würde gerne ein halbes Jahr vorspulen (zu dem ominösen Zukunftssex), ich dagegen lieber zurück und noch mal von vorne anfangen (alles wieder raus aus meinem Kopf und früher den Mund aufmachen).

Der eigentliche Grund, warum ich dachte, nun erst mal länger alleine zu sein: die Vermeidung dieses Themas. Und nun bin ich voll in die Falle getappt.

Happyface: Bin auch sehr unglücklich mit meinem aktuellen Leben. Ich habe einen kontrollierten festen Rahmen (Job, Wohnung), der aber eigentlich sehr leer ist. Fühle mich beruflich inadäquat und schleppe mich zur Arbeit. Habe aber große Angst was zu verändern. Was wenn der Rahmen weg ist, was bleibt dann? Wohin will ich eigentlich mit meinem Leben? Fühle mich langweilig und leer. Ich hab mich in den letzten 5 Jahren irgendwo verloren, mich durchgekämpft bis hier. Das war mein Ziel. Jetzt irgendwie ziellos.

Trotz Freunden (weiter weg) sehr alleine.
Ich verlieb mich auch in meine Freunde (platonisch) und hänge emotional mehr an Menschen als sie an mir. Sie haben alle ihr eigenes Leben. Rudelloses Rudeltier.
31.8.18 21:51


The beginning II

Mittwoch schrieb er auf eine Weise, die mir übel aufstieß. Es kam mir der Gedanke, dass er sich bloß selbst einredet, langsam zu sich zu kommen und alte Muster hinter sich zu lassen. Dass er nicht bereit für ein Wir ist. Ich holte tief Luft und trat einen emotionalen Schritt zurück.

Donnerstag ließ ich das Handy mit Absicht Zuhause. Selbstschutz. Zu groß die Sehnsucht, zu groß die Ablenkung. Abends merkte ich, dass er ebenfalls wegdriftete.
Er klang sehr verloren und kaputt und ich bekam das starke Verlangen, ihn einfach in den Arm zu nehmen und wieder zusammenzufügen. Er wisse nicht, warum man sich auf ihn freue, "es ist zuviel für eine Person alleine". Er hatte die Veränderung gespürt und wunderte sich warum unsere Bande nur noch ganz schwach existierte. Ich warf meine Vorbehalte über Bord und schrieb besonders warm.

Freitagmorgen hatte ich Sorge, dass er nicht kommen würde. Er schien mir als jemand, der unangenehmen (emotionalen) Situationen lieber aus dem Weg ging. Aber er kam.

Ich holte ihn abends vom Bahnhof ab. Wir betraten meine Wohnung und ich beobachtete ihn verwirrt. Wer war dieser Mensch?
Er kommentierte die Position meiner Jacke. Ich hatte sie absichtlich nach ganz oben gehängt, da er seine Jacke letztes Mal nicht über meiner Jacke positionieren wollte. Was ich für einen Gefallen hielt, legte er als Dominanzgeste aus.

Er fühlte sich kälter an, unsympathischer, dominanter, selbstbewusster. Als ob er seine Schwäche trotzig in den Keller verbannt hätte. Ich belegte den Flammkuchen, zwischendurch küssten wir uns. Es fühlte sich falsch an. Mit unserer Verbindung war auch jegliche Anziehung verloren gegangen. Er war mir plötzlich völlig fremd. So fremd, dass ich darüber nachdachte, im Gästezimmer zu schlafen. Er sah aus wie zuvor, vielleicht etwas schlanker, aber er fühlte sich an wie ein Fremder. Es machte mir Angst.

Wir aßen und ich suchte ihn. Suchte irgendwo hinter diesem Fremden den Menschen, der mir seit Wochen im Herzen herumgeisterte. Wir sprachen über die Veränderung und ganz langsam öffnete er sich wieder Stück für Stück. Sein Blick änderte sich. Langsam wurde es wieder wärmer zwischen uns, langsam erkannte ich ihn wieder.

Der Verbindungsverlust hatte ihm auch Angst gemacht, ihn beschäftigt es an dem Abend noch länger.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Meersburg in die Sauna. Wir müssen raus, meinte er, bevor sich Muster einschleichen und wir unsere Wochenenden nur im Bett verbringen.
Der Parkplatz war voll, wir fanden trotzdem noch einen Platz. Die Sauna war voll, wir gingen eben ins Thermalbad. Das stellt sich als winzig heraus und überladen mit Kindern. Er fängt wieder davon an, dass er ja frei wäre und mit anderen Frauen schlafen könnte. Ich hörte ihm ungerührt zu und kommentiere bloß, dass die Einschränkung von ihm kam, dass ich nichts von ihm gefordert hatte. Ja, er hatte es sich selbst verboten, aber er fühle sich davon eingeengt, Verbotenes weckt erst recht Verlangen. Ich ließ ihn reden.

Für jede drei Schritte, die er nach vorne prescht, springt er fünf wieder zurück. "Exklusivität!" und dann "Ich hab zwei Kondome in der Brusttasche, wer weiß, ob ich sie brauche!"
Aber hey, ist mit Mütze, ich darf mich geehrt fühlen.

In seinen Zukunftsplänen geht es oft um Flucht, Ausstieg, Reisen. Und dann wieder spricht er über unsere Zukunft. Und dann wieder nicht.

Er hat das Vertrauen zu Menschen verloren.

Nach 15min Sauna lächelt er mir liebevoll zu, "ich bin stolz auf Dich".

Auf der Heimfahrt sind wir beide sehr müde, erschöpft, durstig. Ich funktioniere auf Sparflamme und er steigert sich in einen Gedankenkäfig hinein, weil ich nicht dabei sein möchte, wenn er kifft. Wir hätten keine Zukunft, wenn ich Teile von ihm ablehne.

Er steht im Flur, völlig neben sich. Er geht spazieren. Er kommt zurück und es fühlt sich nach unserem Ende an.
"Es fühlt sich nicht richtig an" sagt er und dass er nicht für eine Beziehung bereit wäre. Ich sehe ihm an, wie schwer es ihm fällt, mir weh zu tun. Ich nehme ihn in den Arm und er ist kurz davor zu weinen. Er küsst mich sanft auf die Stirn.
Er reißt sich zusammen und schlägt vor, noch zusammen was Essen zu gehen. Er hätte es versprochen. Mein erster Gedanke war die schreckliche Vorstellung, wie wir schweigend über unseren Tellern sitzen, eine Henkersmahlzeit. Was denkt er sich?!
Wir stehen im Flur. Vorhin meinte er noch, dass er es schön fände, dass ich mit ihm das erste Mal in der Sauna war. Dann werde ich in Zukunft immer an ihn denken, wenn ich wieder eine Sauna betrete. Von wegen, dachte ich, ich werde bei Sauna nun immer an unseren Abschied denken.
Ich war traurig, aber ich konnte nicht weinen. Es fühlte sich taub an. Als hätte ich alle Tore runter gelassen und als würde ich warten, bis er weg ist, bevor ich auseinanderfalle.
Er drückte seine Stirn an die meine. Merkwürdig, andere Menschen vögeln nochmal zum Abschied und er lädt mich zum Essen ein. Na gut, was hatte ich zu verlieren, gehen wir halt Essen.
Wir zogen unsere Schuhe an und verließen das Haus. Draußen steckte ich meine Hände in die Jackentaschen, statt nach seiner Hand zu greifen. Ende ist Ende. Oder?
Er streckt mir ganz selbstverständlich die Hand hin und wir laufen zum Restaurant, als wäre nichts gewesen.

Später erfahre ich, dass seine Eltern immer Essen gegangen sind, wenn sie sich gestritten hatten.

Nach dem Essen war er müde und kam Schritt für Schritt wieder zurück zu mir. Am Ende blieb er bis Sonntagabend.

Sonntagsspaziergang hinter Markelfingen. Garten mit Seeblick. Schilffeld. Schilfschwertkampf. Glück.
31.8.18 21:51


Mantra

If that's what you need to believe.
31.8.18 21:51


The beginning I

Wir sind uns das beim Überraschungsgrillen (Noms Geburtstag) im Juni 2011 begegnet und verbrachten eine Nacht lange quatschend, körperkontaktlos zusammen auf Noms Couch.

Dune, 26.04.2012: "Man lernt sich nicht ohne Zufall im Leben kennen, das wissen wir beide..mal schauen wann die Wege sich wieder etwas näher kommen. Aber eines ist klar...es ist dieselbe Richtung 😉"

Danach folgten ein paar Zeilen im Jahr, gegenseitige (nie angenommene) Einladungen an den jeweiligen Wohnort und er schrieb mir bis auf 2016 jedes Jahr zum Geburtag. Seit letztem Jahr wohnen wir wieder relativ nahe (statt Frankreich-Bamberg nur noch 1,5h) und er initiierte mehrmals ein Gespräch, worauf ich selten einging, da ich noch ziemlich unter Stress stand und auch keinen Facebook-Messanger besitze. Außerdem gehört er zu dem Menschen, um die ich aus seelischen Gesundheitsgründen lieber einen kleinen Bogen mache. Er war mir immer zu unklar, zu unaufgeräumt und auf der Suche nach Selbstoptimierung seinen Körper schindend. Viele große Worte, viele große Träume.

Dune, 07.02.2017: "Alle Jahre konstant unkonstant....das Allerbeste für Dich und alle welche du im Herzen trägst zum Tage deines Seins 😉"

***

Fürchterlicher, einsamer Sonntag zurück in meiner Wohnung, nach der schönen Nacht mit Row. Aus dem Nichts entsteht plötzlich ein Gespräch, wir wechseln die Plattform, er schickt mir Sprachnachrichten mit einem so unglaublich ansteckenden Lachen, dass ich selbst mit einem Grinsen da sitze. Seit Stimme macht süchtig, wir skypen stundenlang. In den Kontaktpausen zeige ich Crush-Anzeichen: Entzug, Schmetterlinge, inneres Lächeln.

Heute war das Gespräch mit ihm total angenehm, weil nicht ein Gedankensprung nach dem anderen aus ihm herausbrach und er weniger gehetzt sprach. Während des Gesprächs gähnte er sogar und meinte, er fühle sich wohl mit mir. Ich habe beim Sprechen das Bedürfnis, ihn zu sehen, ihn anzufassen, was mir nur ganz selten passiert.

Manchmal entwickle er sich 1-2 Jahre nicht und dann plötzlich an einem einzigen Tag. Er war in letzter Zeit Gutmensch, weil er davor nicht so gut war.

Ich erzählte ihm von Firehearts lange nachwirkendem Kommentar "ich sehe etwas Dunkles in Dir" und er stimmte ihm zu. Vermutlich sei das auch der Grund, warum ich auf ihn so anziehend wirke.

Merkwürdig, wie manche Menschen zur richtigen Zeit aus einem jahrelangen Schatten zurück in mein Leben kommen.

Dankbarkeit. Und Frühlingsgefühle.

***

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um halb 3 aufgewacht und bis 5 nicht wieder eingeschlafen, weil er mir so präsent war. Wie werde ich neben ihm schlafen können? Alleine schon der Gedanke daran wälzte mich unruhig hin und her. Wie kann ich mich am besten entziehen? Ich ging Szenario für Szenario durch und führte einen Kampf. Ich stand innerlich auf und machte mir einen Tee, ich sagte nichts, ich sagte nein, ich gab auf.

Er war ganz aufgeregt als er kam, wuselte wild herum, redete in einem durch und ich wünschte mir einfach nur, dass er endlich seine Jacke auszog und ich ihn umarmen konnte. (Später gestand er, dass er mich von der ersten Sekunde an gerne gepackt hätte.)
Ich hatte bereits Essen im Ofen, es gab Zucchinifächer mit Fêta und viel Knoblauch. Er staunte über meine große Wohnung und darüber, dass er wirklich bei mir schlafen durfte.

Ich zitterte vor Hunger, weil ich vor lauter Aufregung und Aufräumen nicht früher zum Essen gekommen war. Beim Essen redete also vor allem er. Es war so viel, ich kann gar nicht mehr sagen, worüber.

Jeder von uns duschte. Er roch an mir und mochte mich verschwitzt.

Irgendwann, viel zu spät, machten wir uns bettfertig. Ich war müde und nicht mehr aufnahmefähig. Als er zu mir ins Bett dazu kommt, fragt er plötzlich unvermittelt, ob ich ihn attraktiv fände. Uhm was? - Das heißt Wie bitte? (Eine Sache, die er ständig an mir korrigierte neben der Verwendung des Wortes "muss".)
All meine geprobten Szenen waren auf diese nicht vorbereitet.

Ja, ich fand ihn sehr anziehend. Mein Herz raste.

Bloß nicht knutschen. Zu viele ungewisse Konsequenzen.

Sein Drang schüchterte mich ein. Kann ich damit umgehen?

Er betonte, dass er nichts erwarte und dass alles offen sei.

Wir knutschten.

Er wollte mehr, ich schmolz dahin, entzog mich aber wieder.

(Mach mir ein Kind. Nein Spaß. Mach mir zwei!)

Nachdem wir uns von einander weggedreht hatten und ich schlafen wollte, fühlte ich mich so elekrisiert, dass es hoffnungslos war. Ich drehte mich wieder um.
"Ich kann so nicht schlafen."
Wir knutschten heftig herum und mein Widerstand ließ nach. Er machte jedoch keine Anstalten und äußerte dies auch: Wenn ich mehr wolle, läge es an mir, es zu nehmen. Ich zog mein T-Shirt aus und wenig später auch die Pyjamahose. Wir kicherten und lachten sehr viel. Er legte sich auf den Rücken und überließ das Feld mir. Ich war beeindruckt von seiner Selbstbeherrschung. So hätte ich mir für mich mein erstes Mal gewünscht, mein Tempo, nie machtlos, immer in Kontrolle, Safe space.
Ich nahm ihn in mich auf.

Aufstehen, Duschen, Markt. Wir verließen das Haus und er hielt mir seine Hand hin. Croissants, Oliven, Käse, See, Bank.

Er sprang krass von Zukunftsideen und -träumen um auf "erst mal schauen". Wir sind allerdings schon exklusiv (was bei mir nun keine Kunst ist).

Ich habe etwas Angst vor seiner wilden Leidenschaft. Er meint durch die Katzenhaare/Asthma wäre er nur halb so fit/fähig, aber das war mir bereits genug. Will ich aggressiven Sex? Sex als Sport? Uhhrgh.

***

Freitag noch ungewohnt fit gewesen nach einer Seminarwoche. Draußen schien die Sonne und die Wohnung war seltsam katzenleer.
"Ich kann in 3h bei Dir sein"
Mein Herz sprang vor Freude. Ich stand mit der Knoblauchpresse tanzend in der Küche, als er die Wohnung betrat. Eine Umarmung wie ein Nachhausekommen.

Wir aßen, oder besser, ich aß und er redete. Wieviel er mir inzwischen schon erzählt hat? Von seiner Kindheit, dem angezündeten Hügel und Prügelstrafe, wegen der er drei Tage nicht sitzen konnte (und die das einzige Mal von seiner Mutter kam), die Brüste seiner Oma, das 8jährige Nachbarsmädchen, die wenigen Male, die sein Vater albern war (Spuckedusche beim Kacken und ein kichernd davon laufender Vater), plötzliche Schamerziehung ab 6, bedingungslose Liebe und Ohrfeigen, ich bin Nr. 13, die Bedeutung von Zahlen, erogene Zonen von Sternzeichen, die acht Katzen seiner Tante, sein Hund Zeus (den seine Eltern ohne ihn eingeschläfert haben), der dicke rote Kater, der ihn beschützt hat. Dass er als Kind dick war und dann irgendwann plötzlich in 6 Wochen 25 Kilo abnahm (durch nichts essen, schwimmen und laufen) und bis vor 3-4 Jahren bulimisch war. Und dass er erst im letzten Jahr wieder 7kg abgenommen hat. Wie unzufrieden er mit seinem Körper ist (zu kraftlos, zu viel, zu unsportlich). Seine Pläne ganz ganz alt zu werden. Wie toll er ist und was für ein guter Fang (als müsste er sich das selbst einreden), weil er kochen und massieren kann, aufmerksam ist, super genetisches Material und überhaupt nen großen Schwanz hätte. Großer Macho, kleiner Junge.

Ich gab preis, dass er seit Luke (also seit 6 Jahren) der erste ist, den ich sexuell anziehend finde. Das überraschte ihn. Dieser, sein Körper?
"Ich finde DICH anziehend. Du wolltest doch meine erogenen Zonen kennen lernen. Meine größte ist mein Kopf." - "Du findest also meinen Geist sexy?" Er lachte und küsste mich. Wir ticken ähnlich.

Er gestand, dass er Montag dachte, dass wir bereits zu overly attached sind. Dass er sich zügelt, weil alles noch so frisch ist und er vorsichtig damit sein möchte.

"Wenn das Herz hungrig ist, frisst es jede Lüge."

Ich bin verliebt. Ich möchte ihn lieben. Wenn ich allerdings genauer hinsehe, sehe ich Unmengen an Hindernissen vor uns. Ich bin responsiv glücklich. Was ist, wenn die euphorische Phase nach lässt? Noch können wir uns gegenseitig boosten und sind in einem positiven Kraftloop.
31.8.18 21:52


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