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The beginning II

Mittwoch schrieb er auf eine Weise, die mir übel aufstieß. Es kam mir der Gedanke, dass er sich bloß selbst einredet, langsam zu sich zu kommen und alte Muster hinter sich zu lassen. Dass er nicht bereit für ein Wir ist. Ich holte tief Luft und trat einen emotionalen Schritt zurück.

Donnerstag ließ ich das Handy mit Absicht Zuhause. Selbstschutz. Zu groß die Sehnsucht, zu groß die Ablenkung. Abends merkte ich, dass er ebenfalls wegdriftete.
Er klang sehr verloren und kaputt und ich bekam das starke Verlangen, ihn einfach in den Arm zu nehmen und wieder zusammenzufügen. Er wisse nicht, warum man sich auf ihn freue, "es ist zuviel für eine Person alleine". Er hatte die Veränderung gespürt und wunderte sich warum unsere Bande nur noch ganz schwach existierte. Ich warf meine Vorbehalte über Bord und schrieb besonders warm.

Freitagmorgen hatte ich Sorge, dass er nicht kommen würde. Er schien mir als jemand, der unangenehmen (emotionalen) Situationen lieber aus dem Weg ging. Aber er kam.

Ich holte ihn abends vom Bahnhof ab. Wir betraten meine Wohnung und ich beobachtete ihn verwirrt. Wer war dieser Mensch?
Er kommentierte die Position meiner Jacke. Ich hatte sie absichtlich nach ganz oben gehängt, da er seine Jacke letztes Mal nicht über meiner Jacke positionieren wollte. Was ich für einen Gefallen hielt, legte er als Dominanzgeste aus.

Er fühlte sich kälter an, unsympathischer, dominanter, selbstbewusster. Als ob er seine Schwäche trotzig in den Keller verbannt hätte. Ich belegte den Flammkuchen, zwischendurch küssten wir uns. Es fühlte sich falsch an. Mit unserer Verbindung war auch jegliche Anziehung verloren gegangen. Er war mir plötzlich völlig fremd. So fremd, dass ich darüber nachdachte, im Gästezimmer zu schlafen. Er sah aus wie zuvor, vielleicht etwas schlanker, aber er fühlte sich an wie ein Fremder. Es machte mir Angst.

Wir aßen und ich suchte ihn. Suchte irgendwo hinter diesem Fremden den Menschen, der mir seit Wochen im Herzen herumgeisterte. Wir sprachen über die Veränderung und ganz langsam öffnete er sich wieder Stück für Stück. Sein Blick änderte sich. Langsam wurde es wieder wärmer zwischen uns, langsam erkannte ich ihn wieder.

Der Verbindungsverlust hatte ihm auch Angst gemacht, ihn beschäftigt es an dem Abend noch länger.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Meersburg in die Sauna. Wir müssen raus, meinte er, bevor sich Muster einschleichen und wir unsere Wochenenden nur im Bett verbringen.
Der Parkplatz war voll, wir fanden trotzdem noch einen Platz. Die Sauna war voll, wir gingen eben ins Thermalbad. Das stellt sich als winzig heraus und überladen mit Kindern. Er fängt wieder davon an, dass er ja frei wäre und mit anderen Frauen schlafen könnte. Ich hörte ihm ungerührt zu und kommentiere bloß, dass die Einschränkung von ihm kam, dass ich nichts von ihm gefordert hatte. Ja, er hatte es sich selbst verboten, aber er fühle sich davon eingeengt, Verbotenes weckt erst recht Verlangen. Ich ließ ihn reden.

Für jede drei Schritte, die er nach vorne prescht, springt er fünf wieder zurück. "Exklusivität!" und dann "Ich hab zwei Kondome in der Brusttasche, wer weiß, ob ich sie brauche!"
Aber hey, ist mit Mütze, ich darf mich geehrt fühlen.

In seinen Zukunftsplänen geht es oft um Flucht, Ausstieg, Reisen. Und dann wieder spricht er über unsere Zukunft. Und dann wieder nicht.

Er hat das Vertrauen zu Menschen verloren.

Nach 15min Sauna lächelt er mir liebevoll zu, "ich bin stolz auf Dich".

Auf der Heimfahrt sind wir beide sehr müde, erschöpft, durstig. Ich funktioniere auf Sparflamme und er steigert sich in einen Gedankenkäfig hinein, weil ich nicht dabei sein möchte, wenn er kifft. Wir hätten keine Zukunft, wenn ich Teile von ihm ablehne.

Er steht im Flur, völlig neben sich. Er geht spazieren. Er kommt zurück und es fühlt sich nach unserem Ende an.
"Es fühlt sich nicht richtig an" sagt er und dass er nicht für eine Beziehung bereit wäre. Ich sehe ihm an, wie schwer es ihm fällt, mir weh zu tun. Ich nehme ihn in den Arm und er ist kurz davor zu weinen. Er küsst mich sanft auf die Stirn.
Er reißt sich zusammen und schlägt vor, noch zusammen was Essen zu gehen. Er hätte es versprochen. Mein erster Gedanke war die schreckliche Vorstellung, wie wir schweigend über unseren Tellern sitzen, eine Henkersmahlzeit. Was denkt er sich?!
Wir stehen im Flur. Vorhin meinte er noch, dass er es schön fände, dass ich mit ihm das erste Mal in der Sauna war. Dann werde ich in Zukunft immer an ihn denken, wenn ich wieder eine Sauna betrete. Von wegen, dachte ich, ich werde bei Sauna nun immer an unseren Abschied denken.
Ich war traurig, aber ich konnte nicht weinen. Es fühlte sich taub an. Als hätte ich alle Tore runter gelassen und als würde ich warten, bis er weg ist, bevor ich auseinanderfalle.
Er drückte seine Stirn an die meine. Merkwürdig, andere Menschen vögeln nochmal zum Abschied und er lädt mich zum Essen ein. Na gut, was hatte ich zu verlieren, gehen wir halt Essen.
Wir zogen unsere Schuhe an und verließen das Haus. Draußen steckte ich meine Hände in die Jackentaschen, statt nach seiner Hand zu greifen. Ende ist Ende. Oder?
Er streckt mir ganz selbstverständlich die Hand hin und wir laufen zum Restaurant, als wäre nichts gewesen.

Später erfahre ich, dass seine Eltern immer Essen gegangen sind, wenn sie sich gestritten hatten.

Nach dem Essen war er müde und kam Schritt für Schritt wieder zurück zu mir. Am Ende blieb er bis Sonntagabend.

Sonntagsspaziergang hinter Markelfingen. Garten mit Seeblick. Schilffeld. Schilfschwertkampf. Glück.
31.8.18 21:51
 


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