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Wälderei

Wenn man so lange von sich weggesehen hat, ist es gar nicht so einfach, sich wiederzuerkennen.

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Ich bin letztens jemandem begegnet, mit dem ich ein paar Mal im Wald spazieren war. Er ist introvertiert, hat ein wunderschönes Lachen und umarmt warm. Er ist Jäger, aber ich glaube, er liegt einfach gerne im Wald herum und beobachtet Rehe. Einmal hielt er inne und zeigte in den Wald, in dem ein junger Bock stand. Ich hätte ihn völlig übersehen, er dagegen ist ziemlich aufmerksam. Wir saßen bei Regen lange in einem Jägersitz und tauschten Geschichten über uns aus, bis es wieder trocken genug war, um weiter zu gehen. Er fühlte sich unglaublich ruhig und beruhigend an, was ich - mal wieder - mit heimeliger Geborgenheit verwechselte. Leider stellte sich mein Interesse als einseitig heraus. Aber das ist okay, ich brauch grade nur ein bisschen, um mich wieder an seine Abwesenheit zu gewöhnen (wir hatten wochenlang täglich geschrieben).
Ich glaube, er hat so viele mentale Punkte erfüllt (mag Whisky, seine Art/Neugier Dinge von Grund auf zu lernen, er war mal Schreiner, ist jetzt IT-Fuzzi, die Augen funkeln wach, er ist sehr unaufdringlich und aufmerksam, kocht gerne, hat schon eine 6jährige Tochter), dass ich über die ganzen unpassenden (stur, megasportlich, etwas einsiedlerisch, 6jährige Tochter, sehr kategorisch urteilend, grenzwertig dörfliches politisches Denken) mal wieder hinweg gesehen hatte.

Geblieben ist aber meine Wiederentdeckung des Waldes. Ja, ich, Waldelfe, hatte den Wald vergessen. Seit ein paar Wochen nun gehe ich bei abendlichem Sonnenschein nach der Arbeit spazieren, schaue dem Licht zwischen den Blättern zu, gehe mitten auf dem Weg in die Hocke, beobachte Käfer, Blindschleichen, Eichhörnchen, Vögel und den langsamen Wechseln in den Herbst. Ich bin immer noch etwas traurig darüber, dass dieser Mensch wohl nur kurzer Gast in meinem Leben war, aber er hat mir ein paar wichtige Impulse geschenkt. Mit welcher Freude er in seinem Körper lebt - der ungemein sportlich ist und auch eine Menge wegstecken kann (Kite-Surfen, mal eben einmal queer über den Bodensee schwimmen). Irgendwie hat die Begegnung mit ihm meine Perspektive auf meinen eigenen Körper verändert. Weg von "er muss so und so aussehen" und hin zu "wow, ich habe einen Körper und er kann tolle Dinge". Er kann einen Trimm-Dich-Pfad laufen. Er kann Indian Balance. Er kann mich querfeldein durch die Gegend tragen und mich neue kleine Welten entdecken lassen. Ich habe eine ganz neue Wertschätzung und sportliche Betätigung ist zum ersten Mal keine Qual mehr, sondern ganz langsam eine Freude darüber, dass ich meinen Körper bewegen kann.
28.9.18 17:49
 


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